Film-Tipp

„Limbo“: Hau mir doch bitte nicht mehr auf die Lippe

Martin Semmelrogge (l.) als Ozzy und Netschirwan Idris als Kunta in „Limbo“.

Martin Semmelrogge (l.) als Ozzy und Netschirwan Idris als Kunta in „Limbo“.

Foto: dpa

Managerin Ana (Elisa Schlott) lässt sich vom CEO Frank Mailing (Mathias Herrmann) zu einem speziellen Event mitnehmen: In eine illegale Wettarena, wo Geldadel und Halbwelt sich an ungeschützten Boxkämpfen, sogenannten Bare-Knuckle-Fights­, erfreuen. Statt den Freitagabend zu genießen, hängt Ana ihrem Vorgesetzten penetrant am Ohr. Er soll sich zu verdächtigen Geldbewegungen äußern, die Ana in seinen Firmenunterlagen entdeckt hat. Zugleich taucht der verdeckte Ermittler Carsten (Tilman Strauß) auf. Er hofft, über den ihm väterlich verbundenen Kleinganoven Ozzy (Martin Semmelrogge) das Geldwäsche-Netzwerk des Arena-Betreibers zu infil­trieren.

Die entscheidenden Minuten dieses Abends hat Regisseur Tim Dünschede als One-Take-Film inszeniert, als furiosen Ritt von den obersten Etagen eines Bürohochhauses bis in die Hinterzimmer der Unterwelt. Leider überträgt der junge Filmhochschulabsolvent die anvisierte „neue, vollkommene, unverfälschte Authentizität“ nicht auf seine Geschichte. Für den Zeitdruck, der Ana dazu treiben soll, ihre Ermittlungsergebnisse noch unbedingt vor dem Wochenende mitzuteilen, gibt es einfach keinen schlüssigen Grund.

Der Idealismus, mit dem sie in ihrer Firma moralische Werte durchsetzen will, mischt sich mit einer zunehmend enervierenden Naivität. Vor allem diese Ana wirkt so „unverfälscht und authentisch“ wie eine Antifa-Veganerin, die sich von einem rechtsradikalen Metzger anstellen lässt, um die Einhaltung seiner Hygiene-Standards zu überwachen. Das Visuelle gelingt in diesem Film hingegen auf erstaunliche, manchmal sogar mitreißende Weise.

„Limbo“ D 2020, 80 Min., ab 12 J., R: Tim Dünschede, D: Elisa Schlott, Tilman Strauß, Martin Semmelrogge, Steffen Wink, im Schanzenkino, Zeise; www.24-bilder.de