Kino-Tipp

Bei “Nightlife“ mit Elyas M’Barek geht viel ins Auge

Gleich wird es gefährlich für die Sehorgane: Sunny (Palina Rojinski) und Milo (Elyas M'Barek).

Gleich wird es gefährlich für die Sehorgane: Sunny (Palina Rojinski) und Milo (Elyas M'Barek).

Foto: - / dpa

Das ging ins Auge. Und gleich doppelt. Barkeeper Milo (Elyas M’Barek) wird von seinem Kumpel Renzo (Frederick Lau) aufs Auge geküsst. Leider hat der zuvor etwas Scharfes gegessen. Und Sunny (Palina Rojinski) piekt sich beim Versuch, den Single-Frust wegzutrinken, ein Cocktailschirmchen ins Auge. Nun tragen beide eine Augenklappe. Und treffen so aufeinander. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Aber mit Sichtbehinderung.

Die Augenklappe passt auch im übertragenen Sinn, als Metapher auf den Film. Denn auch da ging was ins Auge. Nach seinen „Männerherzen“-Erfolgen und der Migrationskomödie „Willkommen bei den Hartmanns“ wollte Simon Verhoeven eine Komödie über das Berliner Nachtleben drehen. Aber vom „Nightlife“ des Titels ist wenig zu sehen. Sunny findet, im Nachtleben lerne man nur noch Verrückte kennen, und will sich in Übersee neu orientieren. Milo hat auch genug als Barmann. Von einer eigenen Bar träumt er, weil er dann tagsüber arbeiten könnte.

„Nightlife“? Der Titel ist Etikettenschwindel. Bei „Nightlife“ tickt die Uhr doppelt. Milo verliebt sich in Sunny und muss noch am Wochenende das perfekte erste Date hinbekommen, um zu verhindern, dass sie wegfliegt. Aber zugleich gibt es die Option, eine Bar zu übernehmen. Für die nötige Anzahlung hat sich sein etwas tumber Kumpel als Drogenkurier einspannen lassen. Dabei ist ihm auch noch die Fracht abhanden gekommen. Nun stehen ziemlich bedrohliche Jungs vor ihnen und wollen ihr Geld noch am Wochenende zurück.

Das perfekte Date wird zum Super-GAU, weil nun auch die holde Maid vor den Ganoven fliehen muss. Fortan hetzen die frisch Verlieben durch das Tag- und Nachtleben der Stadt. Das alles könnte dennoch ganz lustig sein. Wirkt aber leider nur konstruiert und bemüht. Und ist einer dieser vielen deutschen Filmkomödien, die die Realität konsequent ausblenden. Und da ist dann noch die Sache mit dem Finger, bei dem eigentlich jedem Zuschauer das Lachen im Hals stecken bleiben müsste.

Verhoeven wollte den Film schon vor Jahren machen, als er noch mehr um die Häuser gezogen ist. Heute schreibt er nachts Drehbücher. „Nightlife“ beweist immerhin, dass auch Filme ganz schön alt aussehen können. Davor schützt auch keine Augenklappe.

Nightlife D 2020, 115 Minuten, ab 12 Jahren, Regie: Simon Verhoeven, Darsteller: Elyas M’Barek, Palina Rojinski, Frederick Lau, Stephan Luca, im Astor, Blankeneser, Cinemaxx Dammtor/Harburg/Wandsbek, Koralle, UCIs Mundsburg/Othmarschen Park/Wandsbek