Gastro-Tipp

Trattoria Amarone bietet echt italienische Küche in Tonndorf

Francesco Monteverde ist Inhaber der Trattoria Amarone in der Tonndorfer Hauptstraße 59.

Francesco Monteverde ist Inhaber der Trattoria Amarone in der Tonndorfer Hauptstraße 59.

Foto: Sebastian Becht

Sie sind rar geworden, aber es gibt sie noch: die kleinen, inhabergeführten Läden, in denen Gerichte zu bezahlbaren Preisen nach alter handwerklicher Tradition auf den Tisch kommen. Und manchmal findet man eben diese Juwelen an Orten, an denen es niemand vermutet hätte. „Meine Freunde aus der Gastronomie haben mich für verrückt erklärt, als ich ihnen von meinem Plan erzählt habe, eine original italienische Trattoria in Tonndorf aufmachen zu wollen“, sagt Francesco Monteverde. Doch der gebürtige Italiener ließ sich nicht beirren, übernahm die ehemalige Bäckerei an der Tonndorfer Hauptstraße 59 und eröffnete im Sommer 2018 gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Annaliese Mendicino seine Trattoria Amarone.

Hier findet der Gast eine kleine originelle Karte mit klassischen italienischen Gerichten, die durch ihre Einfachheit, verbunden mit handwerklicher Perfektion, die Qualität der Ausgangsprodukte in den Mittelpunkt stellen. Diese bezieht Monteverde von seinen zahlreichen Zulieferern, die auch gern mal ein paar italienische Salsiccia-Würste persönlich vorbeibringen, um noch auf einen Espresso zu bleiben. Seine guten Beziehungen zu Feinkosthändlern hat Monteverde durch jahrelange Erfahrungen in der Hamburger Gastronomie aufgebaut.

Bürgerliche, authentisch italienische Küche anstatt Sahnesoße

Angefangen hat er einst als Servicekraft, hat sich dann in der Block-Gruppe zum Betriebsleiter hochgearbeitet und war schließlich Chef des Andronaco, des italienischen Spezialitäten-Ladens mit Bis­tro, in der HafenCity. Doch irgendwann war es Monteverde zu viel, Chef von 40 Mitarbeitern zu sein. „Ich habe mir den besten Koch genommen und bin gegangen“, sagt Monteverde. Während er draußen jeden Gast persönlich begrüßt, sich auch gern mal zum Plaudern dazusetzt, zaubert der aus Sardinien stammende Giuseppe Bandino in der Küche etwa Caserecce pesto e patate (11,90 Euro). Ein italienischer Klassiker, der in Deutschland eher unbekannt ist: selbst gemachte Pasta mit Kartoffeln und einem würzigen Pesto. Dazu wird Brot gereicht, um auch den letzten Tropfen der köstlichen Soße aufsaugen zu können.

„Ich musste manchen Gästen erst beibringen, was authentisch italienische Küche ist“, sagt Monteverde. Mittlerweile habe er aber zahlreiche Stammgäste, die teilweise weite Anfahrten in Kauf nehmen und damit leben können, dass es hier keine Sahnesoße oder Pizza gibt. Die sind auch gar nicht nötig.

Seine Trattoria punktet mit italienischen Klassikern wie der Vorspeise Carpaccio di Manzo, einem hauchdünn aufgeschnittenen Rinderfilet mit Parmesan und Rucola (11,90), oder dem traditionellen Auberginenauflauf Parmigiana di Melanzane (9,90 Euro). Wie in Italien üblich, wird in dem kleinen, familiären Lokal die Hauptspeise in zwei Gänge aufgeteilt. Der erste Gang (Primo piatto) ist kohlenhydratbetont und besteht häufig aus Pasta oder Risotto, während der zweite, proteinreichere Gang (Secondo piatto) von Fisch oder Fleisch dominiert wird. Wunderbar ist die Saltimbocca di pollo (22,90 Euro), bei der sich das zarte Hähnchenfilet gegen die intensiven Aromen von Parmaschinken und Salbei behaupten musste und konnte.

Die überschaubare Weinkarte beschränkt sich bewusst auf Italien und konzentriert sich genau wie die Speisekarte auf traditionsreiche Klassiker, hat aber auch Ausgefalleneres im Angebot. „Die Weine, die wir führen, findet man sonst vermutlich nirgendwo in Hamburg“, sagt Monteverde. Das liegt an seinem italienischen Weinhändler, der jahrzehntelange Erfahrung darin hat, kleine, eher unbekanntere Weingüter auszumachen, die Qualität zu bezahlbaren Preisen liefern.

Wer auf ein ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis aus ist, der ist auch mit Monteverdes Mittagstisch gut beraten. Wöchentlich wechselnd gibt es in der Trattoria Amarone von 11.30 bis 14.30 Uhr rund sechs saisonale Gerichte. Die werden mittags von Nicolas Gerlach an den Tisch gebracht.

Der junge Mann mit Downsyndrom hat ein solch gewinnendes Lächeln bei der Arbeit, dass allein dafür sich ein Besuch schon lohnt – selbst wenn dieser mit einer längeren Anfahrt verbunden sein sollte.

Trattoria Amarone (RB 81 Hamburg-Tonndorf), Tonndorfer Hauptstraße 59, Mo–Fr 17.30–22.00, Di–Fr 11.30–14.30, Sa 17.30–23.00, So Ruhetag, T. 63 73 88 79