Ausstellungs-Tipp

Künsternachwuchs im Elysée

Jonathan Esperester forscht in seinen Bildern nach Erinnerungen. Er ist einer von sechs Künstlern, deren Werke in der Galerie im Elysée hängen.

Jonathan Esperester forscht in seinen Bildern nach Erinnerungen. Er ist einer von sechs Künstlern, deren Werke in der Galerie im Elysée hängen.

Foto: Marcelo Hernandez / FUNKE Foto Services

Seit 35 Jahren bereits bildet die Galerie im Elysée ein künstlerisches Kleinod im gewachsenen Hotel-Komplex in der Nähe des Dammtor-Bahnhofs. Mit mehr als 1100 Werken ist die Sammlung Block im Grand Elysée Hotel Hamburg eine der bedeutendsten Privatsammlungen gegenständlicher Kunst in Norddeutschland.

Für die erste Ausstellung dieses Jahres hat Galeristin Christa Block wieder mal die Zusammenarbeit mit der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) gesucht, diesmal mit Professor Christian Hahn. Und so bieten die beiden Kuratoren in der kleinen, aber feinen Galerie im Elysée sechs Studierenden der HAW Raum für deren gegenständliche Malerei. Die ist mal spontan, mal analytisch, stets individuell und lohnt bei freiem Eintritt noch bis zum 19. März mehr als einen flüchtigen Blick.

Die Nachwuchskünstler zeigen eine Palette figurativer Malerei der Gegenwart. Die großformatigen Motive Philippa Brücks etwa sind von Alltagsfotografien des frühen 20. Jahrhunderts inspiriert. Ihre Figuren gleichen Objekten, verstärkt durch diffuse, teils auch grelle Farben. Jonathan Esperester hat malend nach Erinnerungen geforscht. Wie eine Collage setzt er Motive aus der ursprünglichen Umgebung neu zusammen, kreiert mit seinen Gemälden neue Geschichten jenseits von Raum und Zeit.

Söntke Campen stellt sich mit seinen Bildern bewusst der Tendenz zur Selbstoptimierung und Digitalisierung entgegen. Seine sehenswerten Arbeiten wirken wie ein Prozess, meist intuitiv gemalt. Ebenfalls interessant zu beobachten, wie sein Kommilitone Stephan Hohenthanner die Rolle des Menschen und seinen Fortbestand sieht. In Konkurrenz oder in Einklang mit Natur und Technik, das ist hier die Frage.

Brian Nguyen Quang hat sich mit seinen entfremdeten Porträts dem Thema Vergänglichkeit gewidmet. Das wirkt mal grotesk, dann aber auch atmosphärisch ruhig. Bei Eva Hambach schließlich dreht es sich in 40 Porträts um „Lügner und Helden“. In ihrer Serie von gemalten historischen und aktuellen Persönlichkeiten wird nicht klar, wer sich hinter dem jeweiligen kleinen Porträt verbirgt. Auf einem meint man den Bestsellerautor und Humoristen Heinz Strunk zu erkennen. Doch ist er ‘s wirklich? Auch hier lohnt sich ein zweiter Blick. Mindestens.

Gegenständliche Malerei vom Künstlernachwuchs der HAW bis Do 19.3., täglich 8 bis 24 Uhr, Galerie im Elysée/Grad Elysée Hotel (S Dammtor, Bus 19), Rothenbaumchaussee 10, Eintritt frei