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„Die Carmen von St. Pauli“ kommt ins Lichtmeß

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Stummfilm-Star Jenny Jugo mit Fritz Rasp in einer Szene aus  „Die Carmen von Sankt Pauli" aus dem Jahr 1928.

Stummfilm-Star Jenny Jugo mit Fritz Rasp in einer Szene aus „Die Carmen von Sankt Pauli" aus dem Jahr 1928.

Foto: dpa Picture-Alliance / Stang / picture-alliance / dpa

Ein inspirierendes Filmprogramm in historischem Gebäude, zusammengestellt von engagierten Cineasten: Eines der großen Kleinode in Hamburg ist das Lichtmeß Kino in Ottensen, das jetzt seinen 29. Geburtstag feiert. Beheimatet in der ehemaligen Seifensiedehalle der Dralle-Kosmetikfabrik versprüht dieses Lichtspielhaus einen ganz besonderen Charme.

Im Saal mit seinen herrlich hohen Wänden können sich Gäste an der Bar mit Getränken sowie Snacks versorgen und sich direkt noch Kissen mitnehmen – für die aneinander geschraubten Holzstühle, die die Sitzreihen bilden. Der Blick schweift über alte Filmposter und den güldenen Engel, der über das cineastische Geschehen wacht. Schließlich ist das Kino nach dem christlichen Mariä-Lichtmess-Tag benannt. Unterstützt von weiteren Film-Enthusiasten zeigen die Betreiber Dorit Kiesewetter und Carsten Knoop Dokumentarfilme – von Kultur bis Politik, von Reiseberichten bis hin zu gesellschaftlichen Analysen.

Ein bis drei Mal pro Woche lädt das Lichtmeß zum anregenden Kinobesuch – und das bei vier Euro Eintritt. Lediglich zu Weihnachten und am Geburtstag des Kinos weichen Knoop und Kiesewetter von ihrem Konzept ab. Dann zeigen sie Stummfilme, die von Live-Musik begleitet werden. In diesem Jahr wird zur Feier des ungeraden Jubiläums am 6. Februar „Die Carmen von St. Pauli“ aus dem Jahr 1928 zu sehen sein: Der Hamburger Seemann Klaus Brandt (Willy Fritsch) verliebt sich in die Tänzerin und Schmugglerin Jenny Hummel (Jenny Jugo), was zu unheilvollen Verwicklungen führt.

„Wir wollen uns zum Geburtstag den Hafen von damals ins Haus holen“, sagt Kiesewetter. Die musikalische Untermalung der Geschichte übernimmt Akkordeonistin Natalie Böttcher, die ihre Ausbildung an der Mussorgsky Musikhochschule in St. Petersburg absolvierte und seit 1998 in Hamburg lebt. Sie wird mit ihrem Instrument für maritimes Flair sorgen, um die schwarz-weißen Bilder von Schiffen und Kneipen, von Elbe und Kiez akustisch zu verstärken. Von Anfang an suchten die Veranstalter nach besonderen Erzählweisen innerhalb der Filmkunst.

Gegründet wurde das Lichtmeß von neun Kinofans aus dem Umfeld der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. Anfangs zeigten sie nicht nur Dokus, sondern auch Spielfilme jenseits des Mainstreams sowie Kurzfilmprogramme. Das Haus hat sich im Laufe der Jahrzehnte ein wachsendes Stammpublikum erspielt und ist zudem eng mit der Filmszene der Stadt verbunden: „Wir wirken bei der Hamburger Dokumentarfilmwoche und dem Hamburger Kurzfilmfestival mit“, erzählt Kiesewetter. Zum 30. Geburtstag 2021 steht eine große Party an. In diesem Jahr gibt es aber – das ist Tradition – einen zum Stummfilm passenden Schnaps. Für „Die Carmen von St. Pauli“ wird es ein stilechter Hamburger Kümmel sein. Na dann: Prost!

Die Carmen von St. Pauli“ Do 6.2., 20 Uhr, Lichtmeß Kino (S Altona), Gaußstraße 25, Eintritt: 8 Euro, Kartenvorbestellung: T. 3907603

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