Theater-Tipp

Bürger Lars Dietrich spielt in „Monsieur Pierre geht online“

Als Coach Alex versucht Bürger Lars Dietrich (l.) Monsieur Pierre (Walter Plathe) das Leben mit Computer schmackhaft zu machen.

Als Coach Alex versucht Bürger Lars Dietrich (l.) Monsieur Pierre (Walter Plathe) das Leben mit Computer schmackhaft zu machen.

Foto: Jorge Gutierrez

Auch ein viel gereister Mann wie er muss sich noch zurechtfinden. Eben erst hat Bürger Lars Dietrich seine Theaterwohnung unweit der Komödie Winterhuder Fährhaus bezogen. Nun kommt er mit leichter Verspätung zum Gespräch ins Hinterhaus des Foyers. Hamburg kennt Dietrich zwar. Bisher aber vor allem dank Besuchen bei seiner Ex-Plattenfirma oder von Konzerten mit Stefan Raab in der Großen Freiheit 36. Mit dem Kölner Musiker, Produzenten und TV-Moderator tourte Dietrich, als sie mit der Neuaufnahme von Jürgen Drews’ Schlager „Ein Bett im Kornfeld“ einen Hit landeten und Dietrich mit seiner frisch-frechen Version eines alten Dr.-Hook-Songs („Sexy Eis“) den Sommer 1996 erträglicher gestalte. Fast 25 Jahre her.

Frühe Bühnenreife erlangte Dietrich als in Berlin ausgebildeter Balletttänzer

Die meisten kennen Bürger Lars Dietrich – den Zusatz „Bürger“ wählte der gebür­tige Potsdamer, weil Bewohner in der DDR oft mit diesem Attribut angesprochen wurden – als Rapper, Fernseh-Komiker oder -Moderator. Vom 11. Januar an ist Dietrich in Hamburg erstmals als Schauspieler zu sehen: In der Komödie Winterhude agiert der 46-Jährige in der Fassung von Pierre Richards Kinofilm „Monsieur Pierre geht online“ neben den Publikumslieblingen Walter Plathe und Manon Straché. Weil Dietrich am Freitag noch eine Aufzeichnung für den Kinderkanal (Kika) in Wiesbaden macht, hat das Stück in der Komödie Winterhude ausnahmsweise am Sonnabend statt Freitag Premiere.

Theater spiele er indes schon seit neun Jahren, überrascht der Künstler mit einem weiteren Aspekt seiner Vita. 2011 feierte Dietrich im Stück „Machos auf Eis“ in der Comödie ) Dresden Uraufführung. „Als Schauspieler bin ich Autodidakt“, gibt er zu. Frühe Bühnenreife erlangte Dietrich , indem er als Teenager ein Ballettstudium in Dresden begann und es zur Wendezeit an der Staatlichen Ballettschule in Berlin abschloss. „Zu wissen, was Körperspannung ausmacht, hilft in allen Bereichen“, hat Dietrich erkannt.

Sein Tanztalent hatte er Mitte der 80er-Jahre entdeckt – und trat als einer der ersten Breakdancer auf: „Für 20 Ost-Mark.“ Nach der Wende arbeitete Dietrich auch als Stuntman in den Defa-Studios Babelsberg, ehe er zum Fernsehen (Viva, Sat.1, RTL) ging. Sein Buch „Schlecht Englisch reden kann ich gut“ adaptierte er zu einem Sketch-Programm.

Jetzt ist Dietrich in Folke Brabands Hamburger Inszenierung von „Monsieur Pierre geht online“ der einzige Neuling – das Stück lief 2019 bereits in Berlin. Walter Plathe spielt einen mürrischen Witwer, dem seine Tochter (Manon Straché) einen Internet-Crashkursus verordnet – mitsamt Coach alias Dietrich. „Ich kann mich sehr gut in Walter Plathes Rolle versetzen“, sagt er. „Ich bin selbst nicht so ein Technik-Freak und habe lange noch mit Zettel und Stift gearbeitet.“

Als der alte Pierre aber auf einem Dating-Portal eine junge Frau entdeckt und sie seine E-Mails beantwortet, muss das Profilbild des deutlich jüngeren Alex herhalten. „Ich bin dann allen ausgeliefert, auch den Frauen“, scherzt Dietrich über das Verwechslungsspiel unter den Generationen: „Ich mag diese Art der Komödien.“ Seine Figur, der arbeitslose Autor Alex, sei „ein Traumtänzer“, meint der ausgebildete Tänzer Dietrich, der sich selbst als Entertainer sieht.

„Was hast du eigentlich noch nicht gemacht?“, fragt er sich. Sein ältester Sohn (22) absolviere an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch zurzeit eine Ausbildung im Puppenspiel, erzählt er. Womöglich noch eine neue Herausforderung für Vater Lars Dietrich ...

„Monsieur Pierre geht online“ So 12.1., 18 Uhr, bis 23.2. täglich außer montags, Komödie Winterhude (U Hudtwalckerstraße), Hudtwalckerstraße 13, Karten 27,64 bis 43,74 Euro in der Abendblatt-Geschäftsstelle, Großer Burstah 18-32, T. 30 30 98 98; www.komoedie-hamburg.de