Theater-Tipp

Bühne frei für das Angsthasenballett

Angst steht auch manchen Schauspielerrn ins Gesicht geschrieben, wenn sie auf die kleine Bühne des HoheLutschiffes treten.

Angst steht auch manchen Schauspielerrn ins Gesicht geschrieben, wenn sie auf die kleine Bühne des HoheLutschiffes treten.

Foto: Ellen Coenders

Das HoheLuftschiff, im Drei-Stadteil-Eck Harvestehude/Hoheluft-West/Eimsbüttel auf dem Isebekkanal gelegen, ist vor allem als schwimmendes Hamburger Kindertheater bekannt. Das dortige Theater Zeppelin von Gründerin Stephanie Grau feierte erst im Herbst sein 40. Jubiläum. Von diesem Sonnabend an aber herrscht dort – diese Assoziation sei erlaubt – abends schwarzer Humor vor.

Schließlich ist das HoheLuftschiff seit 15 Jahren auch Spielstätte für freie und professionelle Theatergruppen mit Mitgliedern über 18 Jahren. Und mit jenen haben sich Eva Engelbach und Marcel Weinand in Hamburg längst einen Namen gemacht. Insbesondere im Lichthof in Bahrenfeld mit unchristlichen Weihnachtsstücken wie – lange vor Heinz Strunks „Der Goldene Handschuh“ – der schrägen Operette „Honka – Frauenmörder von Altona“ (über Sensationsgier) und „Rebekka – völlig frei nach Hitchcock“, ein Stück, in dem die Titelheldin durchs soziale Netz fällt.

Nun bekommen es Komponistin Engelbach und Regisseur Weinand mit der Angst zu tun, genauer mit dem „Varieté Angst“. Das kreative Künstlerduo hat eine zehnköpfige Mannschaft angeheuert, mit dem es skurrile Kunst in reichhaltiger Manier zeigen will. Engelbach&Weinand möchte mithilfe der Schauspielerinnen und Schauspieler bewusst mit dem Thema Angst, dem stärksten aller Gefühle, und all seinen aktuellen Facetten spielen. „Wir treiben unser Lustspiel mit der Angst im Varieté-Format“, erläutert Marcel Weinand seinen neuartigen Ansatz.

So hat der „Direktor Angst“ in dieser Show die Hosen an. Seine skurrilen Künstler kennen sich mit allem aus - nur nicht mit Varieté. Wenn etwa das Messerwerfer-Paar die Bühne betritt, fliegen die Fetzen, jedoch keine Messer. Und wer als interessierter Besucher immer schon mal wissen wollte, was ein „Kunstschwitzer“ macht, der soll erfahren, dass Angstschweiß, der aufgrund von lächerlich niedrigen Künstlergagen und Furcht vor Ideenmangel geschwitzt wird, der Kunst am zuträglichsten ist. So wird die Kritik an der oft schlechten Bezahlung von Schauspielern, aber auch die Selbstironie eines Künstlerdaseins eben in ein Stück Varieté verpackt.

Weil auch dieses Genre nicht ohne Musik und Tanz auskommt, haben Eva Engelbach, die als elfte Darstellerin selbst mitwirken wird, und Weinand noch ein „Angsthasenballett“ kreiert. Choreografin Katja Wiggers soll allen Beteiligten Beine machen. So könnte dieses Varieté vollends zu ein behaglicher Abend übers Unbehagen werden ...

„Varieté Angst“ Premiere Sa 7.12., 20.00, auch So 8.12., bis Sa 28.12., jew. 20.00, HoheLuftschiff (U Hoheluftbrücke), Kaiser-Friedrich-Ufer 27, Katen zu 20,-/erm. 15,-: T. 422 30 62; www.theaterzeppelin.de