Klassik-Tipp

Brahms: „Ein Deutsches Requiem“ wird 150 Jahre alt

Kirchenmusikdirektor Christoph Schoener an einem seiner Michel-Arbeitsplätze. An diesem Sonnabend dirigiert er Brahms und Reger

Kirchenmusikdirektor Christoph Schoener an einem seiner Michel-Arbeitsplätze. An diesem Sonnabend dirigiert er Brahms und Reger

Foto: dpa Picture-Alliance / Maurizio Gambarini

Das große B stimmt, immerhin, und auch in Sachen ewige Beliebtheit ist das „Deutsche Requiem“ von Brahms auf Augenhöhe mit Johann Sebastian Bach, dem anderen großen Lieblingskomponisten sehr vieler Hamburger. 150 Jahre ist es her, dass Brahms’ populärstes Chorwerk zum ersten Mal in seiner Geburtsstadt aufgeführt wurde. Das Orchester der Philharmonischen Gesellschaft spielte es damals, die Hamburger Singakademie sang, Julius von Bernuth dirigierte.

Brahms persönlich war nicht zugegen – was auch daran gelegen haben könnte, dass man sein früheres Interesse an den beiden Leitungsposten dieses Hamburger Ensembles ignoriert hatte. Die Jobs bekamen letztlich andere; Brahms grämte sich in der ersten Runde aber nur bedingt, weil er wenig später eine Offerte aus Wien von der dortigen Singakademie erhielt. Und als man 1867 in Hamburg einen neuen Philharmoniker-Dirigenten suchte, fiel die Wahl am Ende auf: den Leipziger von Bernuth.

Die kleinen Blessuren im Lebenslauf haben Brahms und sein Opus 45 gut überstanden. Ohnehin birgt das „Requiem“ für Lokalpatrioten von der Elbe ganz andere Probleme: Die ersten drei Sätze waren 1867 in Wien uraufgeführt worden. Die sechssätzige Version allerdings hatte am Karfreitag 1868 ausgerechnet im Bremer Dom Premiere, sogar unter Leitung des Komponisten. 1869 in Leipzig erklangen dann alle sieben Sätze. Im Stadt-Theater erlebten die Hamburger „ihren“ Brahms“ 1882 mit dem „Requiem“. Ehrenbürger wurde er 1889 trotz der Bremen-Episode. Doch auch ohne diese Fußnoten steht das „Requiem“ zu Recht im Mittelpunkt eines Konzerts, das Kirchenmusikdirektor Christoph Schoener kurz vor Ende seiner Michel-Amtszeit dirigiert. Es singen und spielen Chor und Orchester St. Michaelis.

„Bach-Wochen“ – Brahms „Ein deutsches Requiem“ / Reger „Der Einsiedler“ 23.11., 18 Uhr. St. Michaelis, Engl. Planke (Bus 17), Restkarten an der Abendkasse, NDR Kultur sendet live; www.st-michaelis.de