Film-Tipp

„Le Mans 66“: Gentlemen starten die Motoren

Der Schrauber und der Raser: Matt Damon (l.) als Carroll Shelby und Christian Bale als Ken Miles an der Strecke.

Der Schrauber und der Raser: Matt Damon (l.) als Carroll Shelby und Christian Bale als Ken Miles an der Strecke.

Foto: dpa

Filme, die in den 60er-Jahren spielen, besitzen oft einen besonderen nostalgischen Char­me. Da ist die markante Mode, die so frisch und unschuldig wirkt, da ist vor allem aber die Konsumgesellschaft, die noch so unberührt von Kritik scheint. James Mangolds „Le Mans 66 – Gegen jede Chance“ ist Nostalgie in doppelter Form: einmal als Film über Autos und Autorennen, in dem einzig Schnittigkeit und Geschwindigkeit zählen und Benzinverbrauch nie erwähnt wird.

Und einmal als Film über Männer, die diese Autos bauen und fahren. Diese Männer haben Söhne, die zu ihnen aufschauen, sie haben Ehefrauen, die ihren Starrsinn dulden, aber vor allem haben diese Männer Konkurrenten und Gegner, die niedergerungen werden müssen. Als Nostalgie-Unternehmen funktioniert „Le Mans 66“ ausgezeichnet: Matt Damon gibt in einer wunderbar ausgeglichenen Performance den Autobauer und Self­made-Man Carroll Shelby, den die Ford Corporation Mitte der 60er-Jahre anheuert, damit er ihr ein Auto entwirft, mit dem sich ein europäisches Rennen wie Le Mans gewinnen lässt.

Jon Bernthal verleiht dem damaligen Ford-Manager Lee Iacocca, dessen Idee das war, überraschend viel Charme. Tracy Letts spielt den Firmenerben Henry Ford II. mit der speckigen Komplexität eines Mannes, dem es schlechte Laune macht, dass alle denken, er habe seine Stellung nicht selbst verdient. Und Christian Bale entwirft als kauziger Rennfahrer Ken Miles­ wieder eines seiner schwierigen und tiefsinnigen Männerporträts. Ergänzt von Josh Lucas als Leo Beebe, der ölige Marketingchef von Ford, und Caitriona Balfe als duldsame und zugleich sexy Ehefrau Mollie entspinnt sich so ein unterhaltsames Drama um Erfindergeist gegen Konzernlogik, um innere gegen äußere Qualitäten, um das, was den wahren Mann ausmacht.

James Mangold versteht es wunderbar, mit dem Retro-Faktor von Ambiente und Personal zu spielen. Alles wirkt wie in güldenes Licht getaucht und bekommt dadurch etwas Entrücktes, Unwirkliches. Das Autobauen und das Rennenfahren stellt der Film als sinnliche Tätigkeiten vor, die Intelligenz, Fingerspitzengefühl und Intuition auf extreme Weise fordern.

Die Rekonstruktion der 24 Stunden von Le Mans ist sehenswert

Shelby und Miles als „odd couple“ sind in diesem Szenario die Künstler, die vom wenig sensiblen Management wahlweise behindert oder ausgebeutet werden. Man muss nicht wissen, wie das Rennen, auf das der Filmtitel Bezug nimmt, ausging, um vorherzusehen, dass diese Männer am Ende auf die eine oder andere Weise triumphieren werden.

Besonders viel Spaß hat Mangold im letzten Drittel des Films bei der Rekon­struktion des legendären 24-Stunden-Rennens von Le Mans mit all seinen kleinen und größeren Ritualen, den stoischen, todesmutigen Fahrern auf der Strecke und den bedeutungsvolle Blicke wechselnden Geschäftsmännern auf der Tribüne. Leider verliert er dabei völlig aus den Augen, was der Stoff noch hergegeben hätte: etwas zu erzählen, was über die Liebe der Männer zu ihren Fahrzeugen hinausgeht. Aber das hat auch schon 1971 Steve McQueens „Le Mans“ nicht ausgebremst.

„Le Mans 66 – Gegen jede Chance“ USA 2019, 152 Min., ab 12 J., R: James Mangold, D: Christian Bale, Matt Damon, täglich im Cinemaxx Dammtor/Harburg/Wandsbek, Savoy, UCI Mundsburg/Othmarschen Park/Zeise; www.fox.de/le-mans-66-gegen-jede-chance