Aktionstag in Hamburg

"Sisters of Comedy": Humor für die Gleichberechtigung

Die Musik-Kabarettistinnen Sonja Gründemann (l.) und Turid Müller, hier am Denkmal der Zitronenjette beim Michel, sind wie im Vorjahr Patinnen von zwei Hamburger "Sisters Of Comedy"-Shows.

Die Musik-Kabarettistinnen Sonja Gründemann (l.) und Turid Müller, hier am Denkmal der Zitronenjette beim Michel, sind wie im Vorjahr Patinnen von zwei Hamburger "Sisters Of Comedy"-Shows.

Foto: Andreas Laible / HA

Am 12. November sorgen auf dem Theaterschiff, im Polittbüro und im Goldbekhaus ausschließlich weibliche Künstlerinnen für Lacher.

Hamburg. Einmal ist keinmal. Und lachen bloß aus Versehen? Geht ja gar nicht. Sagen sich am 12.11. mehr als 250 Künstlerinnen. In mehr als 20 deutschen Städten und 40 Spielstätten treten sie erneut als „Sisters Of Comedy“ auf. Im Vorjahr waren es noch knapp 100 weniger. Das Datum mit dem Zusatzmotto „Nachgelacht“ bleibt bewusst: Schließlich stellte der Rat der Volksbeauftragten am 12. November 1918 im Regierungsprogramm das Frauenwahlrecht vor, das bei den demokratischen Reichstagswahlen 1919 erstmals galt. Kurzum: Es geht den Kabarettistinnen, Comediennes, Poetry-Slammerinnen und Schauspielerinnen um Gleichberechtigung auch auf der Bühne und um den Kampf gegen ein neo-konservatives Frauenbild sogar in westlichen Ländern.

In Hamburg sind erneut das Theaterschiff und das Polittbüro Teil der Shows. Als dritte Bühne kommt das Comedy-erprobte Goldbekhaus dazu. Ein Teil der Einnahmen geht an die Kemenate und Frauenhäuser Hamburg. Schauspielerin Sonja Gründemann, die in Winterhude, durchs Programm führt, war wie Musik-Kabarettistin Turid Müller (moderiert im Polittbüro) schon im Vorjahr eine Patin.

Gesa Dreckmann moderiert auf dem Schiff

Dritte im Bunde ist als Gastgeberin auf dem „Schiff“ nun Gesa Dreckmann. Die in Hamfelde (Stormarn) aufgewachsene Komikerin und Buchautorin („La Dorfe Vita: Die unersättliche Leichtigkeit des Schweins“) gastierte im Vorjahr bei der „Sisters Of Comedy“-Show in Hannover.

„Oft bin ich in einer Mix-Show die einzige Frau, dort waren wir gleich vier, eine völlig neue Erfahrung“, erinnert sie sich. „Der Saal war voll, alles war total entspannt.“ Und Gezicke gab es nur auf der Bühne. Da habe sie mit männlichen Kollegen Backstage schon ganz andere Sachen erlebt, sagt Dreckmann augenzwinkernd.

Weshalb Frauen im Kleinkunst-Genre noch immer in der Unterzahl sind? „Frauen setzen sich bei Wettbewerben nicht so sehr der Konkurrenz aus“, meint die Stand-up-Komikerin. „Wir machen uns womöglich zu viele Gedanken, bevor wir auftreten.“ Dreckmann selbst möchte am 12.11. auch improvisieren und alte Duo-Nummern mit Schauspiel-Freundin Alexandra Kamp zeigen. Reine Frauenthemen sollten auch männliche Besucher nicht erwarten respektive befürchten.

Erst recht nicht bei „Frauen an der Steuer“. Das Musikkabarett-Programm, das die versierte Melanie Haupt mit
Judith Jakob und Fabienne Hollwege geschrieben hat, ist komisch und kurzweilig. Es bietet am 7. und 8.11. (je 19.30 Uhr) auf dem „Schiff“ Mehrwert im Steuerdschungel. Für Frauen, Männer und Paare.

„Sisters Of Comedy – Nachgelacht“ Di 12.11., 20.00, u. a. mit Sonja Gründemann (Moderation), Alicja Heldt, Feen in Absinth, Goldbekhaus/Bühne zum Hof (Bus 6, 17, 25), Moorfuhrtweg 9-11, Eintritt 20,-/18,-; Di 12.11., 20.00, u. a. mit Turid Müller (Mod.), Karmen im Nebel, Polittbüro (U/S Hbf.), Steindamm 45, 15,-/10,-; Di 12.11., 19.30 u. a mit Gesa Dreckmann (Mod.), Vera Deckers, Alexandra Kamp „Das Schiff“ (U Rödingsmarkt), Holzbrücke 2, 13,50 (erm.) bis 29,-; www.sisters-of-comedy-nachgelacht.de