Kino-Tipp

Klappe auf! Das Kurzfilmfestival im Metropolis

In Jochen Kuhns „Gerichtszeichner“ kommt es am Ende zu tumultartigen Szenen im Verhandlungssaal

In Jochen Kuhns „Gerichtszeichner“ kommt es am Ende zu tumultartigen Szenen im Verhandlungssaal

Foto: © Klappe Auf!

Von wegen: Klappe zu, Affe tot. „Klappe auf!“ heißt es ab heute und noch bis zum Sonntag im Metropolis. An drei Tagen wird dort das gleichnamige Kurzfilmfestival gezeigt, das die Evangelische Stiftung Alsterdorf veranstaltet. Die Festivalmacher haben dann einen großen Teil der Arbeit schon hinter sich, denn sie haben aus den 2200 Einreichungen aus 98 Ländern die 38 Filme des Wettbewerbs ausgesucht. Das Thema des Festivals lautet „Befindlichkeiten und andere Katastrophen“. Das Festival steht für Inklusion: Die Filme werden mit Untertitel und Audiodeskription angeboten, bei Publikumsgesprächen helfen Schrift- und Gebärdendolmetscher.

Bevor Jochen Kuhn Professor in Ludwigsburg wurde, hat er an der HfbK studiert. Sein Animationsfilm „Gerichtszeichner“ erzählt in seinem typischen Zeichenstil eine Geschichte über religiösen Fanatismus. Der Ich-Erzähler gibt an, seit 25 Jahren Gerichtszeichner zu sein und in dieser Zeit eigentlich schon alles gesehen zu haben. Dann aber berichtet er über eine Verhandlung gegen einen Mann, der sich selbst als Prophet sieht und mehreren Kindern und Erwachsenen Ohren abgeschnitten hat. Er habe eine Offenbarung gehabt und müsse die Menschen nun von ihrem Irrglauben befreien. Kuhn verbreitet in seinem Film eine unheimliche Atmosphäre.

Der "absolute Horror" beim "Klappe auf!"-Festival

Der Film „Carlotta’s Face“ vom Hamburger Frédéric Schuld und Valentin Riedl ist ebenfalls animiert und hat schon zahlreiche Festivalpreise gewonnen. Die beiden Filmemacher lassen eine Ich-Erzählerin von ihrem Schicksal erzählen. Sie ist gesichtsblind, kann sich also die Gesichter anderer Menschen nicht merken.

Das macht den Schulalltag für sie sehr schwierig, den „absoluten Horror“ nennt sie das: „Alle sahen gleich aus.“ Umgesetzt ist das in sehr abstrakten Bildern vom einem roten Fleck als Gesicht. Schließlich findet die Protagonistin einen Weg, um zumindest ihr eigenes Gesicht zu erkennen. Sie tastet es ab und zeichnet Selbstporträts.

"Wenn im Top die Narbe rausschaut, schaut sie raus"

Dokumentarisch kommt dagegen „Formen“ von Fariba Buchheim daher. Sie schafft ein experimentelles Porträt eines Körperteils und lässt mehrere, überwiegend junge Leute über ihren Rücken sprechen. Sie müssen mit einer Skoliose leben, einer Verdrehung der Wirbelsäule. Buchheim zeigt die Rücken und Gesichter dieser Menschen und lässt sie über ihre Erfahrungen sprechen. Eine Frau sagt: „Wenn im Top die Narbe rausschaut, schaut sie raus.“

Klappe auf!" Freitag bis Sonntag 8.-10.11., Metropolis (U Gänsemarkt), Kleine Theaterstraße 10, Karten 7, ermäßigt 4 Euro (Einzel), 20, ermäßigt 15 Euro (Festivalpass)