Kino-Tipp

Peter-Ernst Eiffe: Der Narr mit dem Filzstift kommt

iffe 1968 mit Filzstift und „Miss Universitas“. Gleich wird er ihre Schulter signieren.

iffe 1968 mit Filzstift und „Miss Universitas“. Gleich wird er ihre Schulter signieren.

Foto: Thede Filmproduktion

Vor gut 50 Jahren brachte ein Mann Hamburg zum Staunen. Peter-Ernst Eiffe zog 1968 mit einem Aktenkoffer los, in dem sich Filzstifte und Farbprühdosen befanden und beschriftete, was ihm unter die Finger kam: Verkehrsschilder, Briefkästen, Wände. Zunächst signierte er einfach nur mit seinem Namen. Später erweiterte er sein Repertoire und hinterließ Sprüche wie „Sei keine Pfeife, wähl Eiffe“, auf die Toilettenwände im Audimax der Uni schrieb er „Professoren, verpisst euch, keiner vermisst euch“. Angeblich wollte er Bürgermeister und Bundeskanzler werden und stellte so sein „Schattenkabinett“ auf: „Eiffe Bundeskanzler, Springer Außen-, Augstein Innen-, Bartels vom Eros-Center Familienminister, Rest Heinemann“. Die Sprüche waren mal frech, mal witzig, dann wieder sexistisch oder dämlich. Im Jahr 1968, zur Zeit der Studentenunruhen, bildeten sie einen eigenwilligen Kontrast zu den teils verbittert geführten ideologischen Debatten und erregten bundesweit viel Aufsehen. Heute gilt er als erster deutscher Graffiti-Künstler und „Hofnarr der Apo“.

Eiffe war nicht nur ein Sprücheklopfer. Der ehemalige Hamburger Hockey-Meister und Reserveoffizier kam mit einer Plasik-Maschinenpistole in eine Vollversammlung im Audimax, stellte sich vor seine Kommilitonen, rief „ratatatatata“ und machte sie im wahrsten Sinne des Wortes nass. Heute wirkt das wie ein perfider Vorbote auf die RAF-Anschläge der kommenden Jahre.

Aber die Sache ging für Eiffe nicht gut aus. Nach nur zwei Wochen Schreibwut und -lust fuhr er mit seinem Fiat in die Wandelhalle des Hauptbahnhofs ein und rief dort eine „Eiffe-Rebublik“ aus. Er wurde verhaftet, dem Amtsarzt vorgeführt und kam in die Psychiatrie, erst nach Ochsenzoll, dann nach Rickling bei Bad Segeberg. Dort wurde er seelisch-körperlich gebrochen und floh Weihnachten 1981. Erst im März darauf fand man ihn erfroren im Moor.

Der Hamburger Dokumentarfilmer Christian Bau, hatte die Eiffe-Sprüche in den 6oer-Jahren im Uni-Viertel gesehen und wollte in den 90ern einen Film über den Mann drehen drehen, nach dessen Großvater die Eiffestraße benannt wurde. „Es gab mehr Fragen als Antworten und niemand wusste, wo er abgeblieben war“, erinnert sich Bau. Er drehte einen 80 Sekunden langen Spot, der in vielen Hamburger Kinos gezeigt wurde, und bat Zeitzeugen um Rückmeldung. Er bekam genug Feedback, um daraus einen Film zu machen, der 1995 in den Kinos lief.

Jetzt liegt er als DVD vor. Außerdem hat das Dokumentarfilmer-Kollektiv die thede, zu der Bau gehört, ein Buch über den unkonventionellen Hamburger herausgegeben, um an ihn zu erinnern. Film und Buch werden am Dienstag im Metropolis zusammen und begleitet von mehreren Gästen vorgestellt.

Film: „Eiffe For President. Alle Ampeln auf Gelb“ Di 29.10., 19 Uhr, Metropolis (U Gänsemarkt), Kleine Theterstraße 10,Karten 7,50 Euro

Buch und DVD: Die Thede (Hg.). Eiffe For President. Alle Ampeln auf Gelb. Assoziation-a. 144 Seiten. 20 Euro