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Khalid: Der neue Freigeist des Soul-Pop

Khalid (21) lebte mit seiner Mutter sechs Jahre in Heidelberg, bevor er mit 13 Jahren in die USA zurückkehrte.

Khalid (21) lebte mit seiner Mutter sechs Jahre in Heidelberg, bevor er mit 13 Jahren in die USA zurückkehrte.

Foto: Sony Music

Sein Deutsch sei nicht mehr besonders gut, sagt Khalid. Sechs Jahre lang hat der US-amerikanische Sänger in Deutschland gelebt, als 13-Jähriger kehrte er mit seiner Mutter aus Heidelberg in die Staaten zurück. Inzwischen ist Khalid 21 Jahre alt und wohnt in El Paso (Texas).

Bevor er seine Karriere als professioneller Sänger begonnen hat, war sein Leben geprägt von vielen Umzügen. Seine Mutter musste als Armee-Angehörige oft den Standort wechseln, ihr Sohn musste immer mit. „Ich habe viele gute Erinnerungen an Deutschland“, sagt Khalid. Wenn er jetzt nach Europa zurückkehrt, ist er kein unbedarfter Teenager mehr, sondern ein gefeierter R-&-B-Sänger. „American Teen“ hieß sein Debütalbum, das vor zwei Jahren erschien und auf Anhieb ein Megahit wurde. Mehr als 2,5 Millionen Einheiten verkaufte Khalid, mit Vierfachplatin wurde er für seine ruhigen Songs ausgezeichnet. Damals war er mit 19 tatsächlich noch ein Teenager wie auch sein überwiegend weibliches Publikum.

„Free Spirit“ heißt das Nachfolgewerk, das Anfang dieses Jahres auf den Markt kam. In den USA war es nicht mehr ganz so erfolgreich wie das Debüt, doch mit Platin wurde der Sänger mit der Brikett-Frisur ebenfalls ausgezeichnet. Von einem „Freigeist“ ist darauf wenig zu spüren, das Video dazu mit dem bunten Bus symbolisiert eher Aussteigerromantik.

Der in Georgia geborene Sänger bewegt sich auf musikalischen Pfaden, die vor ihm eine Reihe anderer R-&-B-Künstler ausgetreten hat. Khalid macht keinen Hehl daraus, dass er sich an Neo-Soul-Interpreten der 90er-Jahre wie Brandy oder Aaliyah orientiert. Die Palette der Künstler, die er bewundert, ist lang und reicht von Rapper Kendrick Lamar über Father John Misty bis zu James Blake. Mit dem englischen Electro-Künstler verbindet Khalid die Sanftheit seiner Songs.

Gitarren und Keyboards dominieren die Stücke, schnelle Nummern gibt es nicht, Khalid nimmt sich Zeit und Ruhe, um seine Geschichten von Liebe, von Einsamkeit und den Schwierigkeiten des Lebens zu erzählen. Obwohl die Lieder alle sanft und idyllisch klingen, ist das Paradies doch oft ein ganzes Stück entfernt, wie Khalid in „Paradise“ beschreibt. Es geht in vielen seiner Songs um Liebe, er ist ein Romantiker, gehört aber nicht zu den schmachtenden Sängern.

Zu diesen intimen Songs würde ein Club oder ein Theater ideal passen, doch Khalid ist nicht nur durch sein Duett mit Ed Sheeran („Beautiful People“) auch hierzulande schon so populär, dass er wegen der großen Nachfrage in der Barclaycard Arena auftreten muss – eine große Herausforderung für den Sänger, der noch zu den Newcomern zählt. Khalid ist ein Künstler, der keine Scheu vor seinen Fans kennt. Er kommuniziert in den sozialen Medien auf diversen Kanälen mit seinen Anhängern und konnte darüber in den vergangenen zwei Jahren seine Beliebtheit enorm steigern. Allein seine erste Erfolgssingle „Location“ wurde bei Spotify 35 Millionen Mal gestreamt.

Khalid Mo 9.9., 19.30, Barclaycard Arena (S Stellingen + Bus 380), Sylvesterallee 10, Karten ab 52,- im Vvk.; www.khalidofficial.com