Theater-Tipp

Die Komödie „Die Wirtin“ ist im Römischen Garten zu sehen

Alena Oellerich spielt die Mirandolina in Peter Turrinis Komödie "Die Wirtin".

Alena Oellerich spielt die Mirandolina in Peter Turrinis Komödie "Die Wirtin".

Foto: Franziska Probst

Wenn viele Hamburger Bühnen ihre wohlverdiente Sommerpause genießen – wobei die Privattheater ohnehin das Wort „Pause“ nicht kennen –, schlägt die Stunde des Freilufttheaters. Seit mehr als zehn Jahren bespielt Dieter Seidel, Regisseur und Betreiber des Theaters N.N., mit Leidenschaft den Römischen Garten in Blankenese. Das grüne Rund am Elbhang bietet eine besondere Kulisse – und eignet sich ideal für anspruchsvolle Komödien, die – ganz in britischer Tradition – bei einem Picknick genossen werden können.

In diesem Jahr hat Seidel „Die Wirtin“ von Peter Turrini nach „Mirandolina“ von Carlo Goldoni erarbeitet. Goldoni hatte es Seidel schon im vergangenen Jahr mit „Der Diener zweier Herren“ angetan. „Vor allem sein Rhythmus. Das war eine positive Erfahrung“, erzählt Seidel. Turrini hat die Komödie nicht nur übersetzt, sondern auch so bearbeitet, dass sie frecher und freier daherkommt.

Aus schwierigen Verhältnissen stammend, versucht sich die selbstbewusste Mirandolina als Wirtin in einer Männergesellschaft zu behaupten. „Schon Goldoni ergreift Partei für die Frauen und zieht ein wenig über die Männer her“, sagt Seidel über die Emanzipationsgeschichte. Bald wird Mirandolina von mehreren Männern begehrt, die allerdings keine ernsthaften Absichten hegen und sie vielmehr für ihre Zwecke ausnutzen wollen. Seidel: „Sie rächt sich auf ihre Weise und nutzt die Schwächen der Männer aus. Das macht sie jedoch mit großem Vergnügen.“

Das Stück steht in der Tradition der Commedia dell’Arte

Insbesondere die Dialoge Mirandolinas mit dem frauenverachtenden Cavaliere von Ripafratta sorgen für beste, erstaunlich zeitgemäße und kluge Unterhaltung. Das Stück ist als klassische Commedia dell’Arte angelegt, jener italienischen Komödienkunst des 16. bis 18. Jahrhunderts, die aus der Tradition des Straßentheaters hervorging. Das Stück arbeitet mit den Mitteln der Satire, aber auch des Volkstheaters, die Turrini verstärkt, ohne sie allzu sehr zu betonen. Den besonderen Clou des Stücks wollen Seidel und sein Team erhalten. So treten die Schauspieler mehrmals aus ihren Rollen heraus und halten Monologe an der „Rampe“. „Sie flirten um die Gunst der Zuschauer“, erläutert Seidel. Auch die Hierarchie von oben und unten entfällt an diesem besonderen Ort. Es gilt den Rhythmus, die Brüche, das Tempo zu entdecken. Das Bühnenbild liefert natürlich der Garten. „Wir lassen aber auch eine Wand antanzen und bekennen uns zur Kulisse“, erzählt Seidel.

Die Freiluft-Inszenierung ist jährlicher Höhepunkt der Arbeit Dieter Seidels, seit das Theater N.N. seine angestammten Räume in Eimsbüttel aufgegeben hat und seine Stücke an wechselnden Orten zeigt. Zur Besonderheit des Römischen Gartens gehört auch, dass es Lärmschutzauflagen gibt. Die Proben finden im Grunde als Spaziergänge statt. Musik darf nur von der menschlichen Stimme, sprich a cappella, präsentiert werden. Und nun hängt das Vergnügen nur noch an einem launischen Mitspieler: dem Wetter.

„Die Wirtin“ Premiere Do 18.7., weitere Vorstellungen 19., 20., 25., 26., 27.7., 8. bis 11.8., jeweils 19.30 Uhr, Römischer Garten Blankenese (S Blankenese + Bus 48) Falkentaler Weg, Karten zu 20 Euro, ermäßigt 17,50 Euro im Abendblatt- Ticketshop Osterstraße