Kino-Tipp

„Yesterday“ ist perfekt für einen fröhlichen Sommerabend

Jack (Himesh Patel, l.) ist auf der Erfolgsüberholspur. Das erkennt auch Ed Sheeran an.

Jack (Himesh Patel, l.) ist auf der Erfolgsüberholspur. Das erkennt auch Ed Sheeran an.

Foto: © Universal Pictures

Was wäre, wenn? Was wäre zum Beispiel, wenn es die Rolling Stones nie gegeben hätte? Oder Queen? Oder ganz abwegig – was wäre, wenn es die Beatles nie gegeben hätte? Kein „Let It Be“, kein „Hey Jude“, kein „A Hard Day’s Night“ und natürlich auch kein „Yesterday“. Mit dieser wunderbar kuriosen Prämisse spielen „Slumdog Millionär“-Regisseur Danny Boyle und „Tatsächlich Liebe“-Drehbuchautor Richard Curtis in ihrem Musicalmärchen „Yesterday“.

Dabei ist der Film über die Beatles – oder besser gesagt über die Abwesenheit der Beatles – so ganz anders als jüngst noch „Bohemian Rhapsody“ oder „Rocketman“. Es ist kein klassisches Biopic, keine Huldigung der Künstler, sondern eine reine, ganz fantastische Hommage an die Magie der Musik.

Boyle und Curtis löschen durch einen weltumfassenden Stromausfall das kollektive Gedächtnis an die berühmtesten Pilzköpfe der Welt aus. Nur der junge, erfolglose britische Singer-Songwriter Jack Malik bekommt vom Verschwinden der Beatles nichts mit.

Beim Song „Yesterday“ haben die Freunde Tränen in den Augen

Zur Zeit des Stromausfalls fährt er gerade mit dem Fahrrad durch den strömenden Regen, wild entschlossen, seine Musikkarriere ob fehlenden Erfolgs für immer zu beenden. Dann erwischt ihn ein Bus, er wacht im Krankenhaus auf. Die Gitarre zerstört – ebenso wie seine vorderen Schneidezähne. Stutzig wird er, als seine beste Freundin und Managerin Ellie eine erste Anspielung auf den Song „When I’m Sixty-Four“ nicht versteht. Den Glauben an die Menschheit verliert er, als er im Freundeskreis auf seiner neuen Gitarre „Yesterday“ anspielt und die Freunde mit Tränen in den Augen reagieren. Weil sie etwas so Wunderschönes noch nie gehört haben. Vor allem nicht aus der Feder von Jack. Eine Google-Suche bringt die Erkenntnis: Mit den Beatles verbindet die Welt entweder Autos oder Insekten, aber nicht die Fab Four aus Liverpool.

Der erste Treffer für John und Paul führt zum Wikipedia-Eintrag des Papstes. Der smarte und charmante Jack wittert seine Stunde, rekonstruiert alle Beatles-Songs, die ihm einfallen, auf bunten Post-Its und wird über Nacht zum neuen Megastar der Musikbranche.

Mit viel Charme, Witz und Gespür für Situationskomik erzählen Curtis und Boyle von einer nicht erstrebenswerten alternativen Welt ohne die Musik der Beatles­. Aber auch vom Sein und Schein des Musikbusiness. Die neue Managerin, zynisch gespielt von Kate McKinnon, verkörpert all das Böse der profitgierigen Musikindustrie. Sie verpasst Jack erst mal einen neuen Look und präsentiert eine digitale Marketingstrategie. Online First.

Ed Sheeran hat einen wunderbar selbstironischen Gastauftritt

Selbst Ed Sheeran mit einem selbstironischen Gastauftritt als er selbst muss anerkennend zugeben, dass er wohl nur der Salieri der Gegenwart ist – da Jack eindeutig die Rolle des Mozarts zuteilwird.

Worüber „Yesterday“ am Ende stolpert, ist nicht nur der Umgang mit der Musik­, die nie wirklichen Raum für Ent­deckungen­ zulässt und einfach nur ab­bildet, sondern die oberflächige, konfliktfreie Liebesgeschichte zwischen Jack und Ellie, die über die Jahre der musikalischen Verbundenheit in die Freundschaftszone abgerutscht sind. Nun müssen sie sich erst einmal ihrer Liebe gewiss werden.

Am Ende ist „Yesterday“ eine leichtfüßige, romantische Feel-good-Sommermusikkomödie, die schnell vergessen sein wird. Denn auch die Beatles wussten schon: „All You Need Is Love“.

„Yesterday“ Großbritannien 2019, 117 Minuten, ohne Altersbeschränkung, Regie: Danny Boyle, Darsteller: Himesh Patel, Lily James, Kate McKinnon, Ed Sheeran, täglich im Abaton, Cinemaxx Dammtor, Holi, Passage, Savoy (OF), UCI Mundsburg/Wandsbek, Zeise (auch OmU)