Konzert-Tipp

Fjarill: Musik für die Mittsommernacht in der Fabrik

Fjarill wurde 2004 von Aino Löwenmark (unten) und Hanmari Spiegel in Hamburg gegründet. Im Mai erschien das neue Album „Midsommar“.

Fjarill wurde 2004 von Aino Löwenmark (unten) und Hanmari Spiegel in Hamburg gegründet. Im Mai erschien das neue Album „Midsommar“.

Foto: Anne de Wolff

Für Aino Löwenmark und Hanmari Spiegel sind Lieder wie „Stockholm“, „Kom hem“ oder „Inkululeko (Freedom For Afrika)“ wie eine Heimreise. Für die Fans des Hamburger Folk-Weltmusik-Duos hingegen wecken die Songs an diesem Donnerstag in der Fabrik extremes Fernweh, obwohl die meisten die Texte von „Lite Efter Du Är Död Då Ska Liljor Blomma“ oder „Jag Vet En Deijlig Rosa“ nicht verstehen werden. Zumindest nicht mit dem Kopf, wohl aber mit dem Herzen. Das macht die Faszination der beiden aus: Schöner, filigraner, bildreicher, schwelgerischer kann Pop kaum sein.

Die Schwedin Aino Löwenmark am Klavier und die Südafrikanerin Hanmari Spiegel an der Geige leben seit vielen Jahren in der Hansestadt, und sie haben den Schlüssel, um als Künstler und Menschen durch das Tor zu treten. Sie singen auf Englisch, Deutsch, Schwedisch und Afrikaans. Den Traum, Konzerte in ihren Heimatländern zu geben, haben sie sich mittlerweile ebenso erfüllt wie ein Konzert im Kleinen Saal der Elbphilharmonie. Und doch ist da eine unstillbare Sehnsucht. So entstand 2018 das Konzept­album „Kom Hem“ über Heimaten, und die neue Platte „Midsommar“ richtet mit vertonten Gedichten des Literaturnobelpreisträgers Pär Lagerkvist und Interpretationen von schwedischen Volksliedern den Blick gen Norden.

Viel Hall und ein harmonischer A-cappella-Gesang mit sich auftürmendem Chor zeigt in „Den Signade Dag“, dass Löwenmark und Spiegel nicht mal In­strumente brauchen, um hohe Berge, tiefe Täler und spiegelglatte Seen vor dem inneren Auge erscheinen zu lassen. Schlichtheit und Eleganz und natürliche Erhabenheit begleiten das 2004 gegründete Duo jetzt seit dem Album „Stark“ 2006, und um Fjarills Erscheinung am besten zu vermitteln, passt die eigene Beschreibung der beiden zum Lied „Vingslag“: Ein „Raum der absoluten Stille inmitten eines Orkans, wo der Flügelschlag eines Schmetterlings hörbar wird.“ Und fühlbar.

Fjarill Do 20.6., 20.00, Fabrik (S Altona), Barnerstraße 36, Karten zu 27,- im Vorverkauf; www.fjarill.de