Literatur-Tipp

Dörte Hansen und Frank Schulz: Das Beste vom Dorf

Frank Schulz scheint gerade eine ulkige Passage erwischt zu haben, jedenfalls wirkt Dörte Hansens Mimik so.

Frank Schulz scheint gerade eine ulkige Passage erwischt zu haben, jedenfalls wirkt Dörte Hansens Mimik so.

Foto: Marcelo Hernandez

Im Uebel & Gefährlich lesen Dörte Hansen und Frank Schulz lustige und traurige Stellen aus ihren Dorfromanen.

Hamburg.  Gemischte Doppel haben ihren Reiz, auch die literarischen. Das weiß man in Hamburg nicht erst, seit Annemarie Stoltenberg und Rainer Moritz Buchtipps zum Besten geben, auch Dörte Hansen und Frank Schulz haben es schon einmal zusammen versucht, und es hat funktioniert. Deshalb nun eine Neuauflage. Für die gemeinsame Lesung haben die beiden sich ein morbides Motto ausgesucht: Der Abend heißt „Auf dem Friedhof war am meisten los“ und soll die lustigsten und traurigsten Stellen aus ihren Dorfromanen vorstellen.

Dörte Hansen dürfte ihre Zuhörer mit nach Brinkebüll nehmen. Dieses fiktive Dorf in Nordfriesland ist der Schauplatz ihres aktuellen Buchs „Mittagsstunde“. Schrullige Bewohner mit zahlreichen Macken gibt es dort jede Menge. Dörte Hansen beschreibt aber auch, wie sich das Leben auf dem Land verändert hat. Das weiß die 1964 geborene Autorin aus eigener Erfahrung, denn sie ist in der kleinen Gemeinde Högel aufgewachsen und wohnt jetzt mit ihrer Familie in ­Husum.

Auch in ihrem Debütroman „Altes Land“, wie sein Nachfolger mit mehr als einer halben Million verkaufter Exem­plare ein großer Erfolg, hat sie ihre Beobachtungsgabe und ihren subtilen Humor schon unter Beweis gestellt. Ob ihre Zeit an der Universität oder als NDR-Autorin zu ihrem lustigen oder traurigen Erfahrungsschatz beigetragen haben, könnte der Abend zeigen.

Frank Schulz dürfte dagegen seinen Roman „Onno Viets und der weiße Hirsch“ unter dem Arm haben, wenn er die Bühne im Uebel & Gefährlich betritt. Im dritten Band mit dem gescheiterten Wirt und Gelegenheitsdetektiv in der Hauptrolle geht es raus aufs platte Land. Viets hat vom Fall um den „Irren vom Kiez“ eine posttraumatische Belastungsstörung davongetragen. Er leidet unter Panikattacken und versagt an der Tischtennisplatte.

Ausgerechnet. Denn diese sportliche Betätigungsstätte ist Schauplatz einer der drei Superkräfte, die Schulz seinem Protagonisten zugeschrieben hat: messerscharfe Pingpong-Reflexe, ein „Charisma für Arme“ und die Fähigkeit, „gut sitzen zu können“.

Um das alles wieder auf die Reihe zu bekommen, zieht Viets in die 300-Einwohner-Gemeinde Finkloch zu seinen Schwiegereltern. Aber das auf den ersten Blick beschauliche Dorfleben verbirgt verdrängte Konflikte und erhebliche Familiengeheimnisse. So hat zum Beispiel Onnos Schwiegervater seine Kindheitserlebnisse im Zweiten Weltkrieg noch nicht aufgearbeitet. Es gab im Dorf außerdem mal eine Hippie-Wohngemeinschaft mit Verbindungen zum Linksterrorismus.

Gut möglich natürlich, dass Schulz auch noch ein paar Passagen aus seinem aktuellen Erzählungsband „Anmut und Feigheit“ heraustranchiert.

Sind die Bücher von Schulz und Hansen nun Regional-Farcen oder lediglich „Heimatkitsch“ wie die „Süddeutsche Zeitung“ (über Schulz) schrieb? Darüber lässt sich nach der Lesung doch vortrefflich diskutieren.

Dörte Hansen und Frank Schulz Di 23.4., 20.00, Uebel & Gefährlich (U Feldstraße), Feldstraße 66, Karten 15,-