Bühnen-Tipp

Nina Hagen: Die Diva singt Brecht und Blues

Immer anders: Nina Hagen, hier bei einem  Konzert in der Apostel Paulus Kirche in Berlin

Immer anders: Nina Hagen, hier bei einem Konzert in der Apostel Paulus Kirche in Berlin

Foto: Sergej Glanze

Wenn man ein bisschen im Lebenslauf von Nina Hagen herumliest, kann man sich des Verdachts nicht erwehren, dass sie eine Frau ist, die Überraschungen liebt. Was hat sie nicht schon alles gemacht! Heute kommt sie ins Schauspielhaus, um ein Konzert zu geben. Auf ihrem Programm stehen Brecht und Blues.

Das wiederum ist eigentlich keine Überraschung. Die Diva und der Dichter: Diese Beziehung hat eine lange Vorgeschichte. 1998, als Brecht 100 Jahre alt wurde, zog die Musikerin, die zwischendurch in London, den USA und den Niederlanden gelebt hatte, wieder zurück nach Berlin, wo sie 1955 auch geboren wurde. Zusammen mit Meter Becker gab sie damals im Berliner Ensemble den Punk-Brecht-Abend „Wir heißen beide Anna“. Und das Faible der Ausnahmekünstlerin für den Mann aus Augsburg, der am Mittwoch in der ARD in einem Dokudrama gefeiert wird, geht sogar noch weiter zurück.

Die Texte der Songs, die sie heute präsentiert, „stammen aus den unterschiedlichsten Theaterstücken, die ich übrigens seit meinem 12. Lebensjahr als unbekannte Ostberlinerin viele Abende Lang fasziniert studiert habe, und die meine Musik und Lebens-Kunst ganz wunderbar geprägt haben“, schreibt sie in einem Text für das Schauspielhaus. Ein Jugendliebe also gewissermaßen.

Dass sie nun auch noch den Blues hat, wirkt nicht ganz so vertraut. Andererseits ist bei dem Musikgeschmack der „Godmother of Punk“ nur der Wechsel beständig. New Wave, Gospel, Zarah Leander, Lullabies – die „staatlich geprüfte Schlagersängerin“ lässt sich einfach nicht festlegen.

Vielleicht ist ihr häufiger musikalischer Rollenwechsel aber auch kein Wunder, denn eigentlich wollte die Hagen Schauspielerin werden – wie ihre Mutter Eva-Maria. Auf den Aufnahmeantrag für die Schauspielschule schrieb die Stasi dann aber „Verhindern!“, weil ihr der Lebensgefährte ihrer Mutter, damals Wolf Biermann, hochgradig suspekt war.

Dann eben singen. Die „Süddeutsche Zeitung“ jubelte über ihre Stimme, die „von der Kälte einer Grace Jones bis zur Raserei einer Tina Turner sämtliche emotionalen Register beherrscht“. Nicht immer hielten ihre Bands lange, die Zusammenarbeit mit ihr ist womöglich nicht immer ganz einfach.

Ihre Duettpartner ließen sich davon nicht abschrecken. Sie stand mit Wolfgang Niedecken, Thomas D., Frank Zander und Max Raabe vor dem Mikrofon. Als wenn das alles nicht genug wäre, kümmert sie sich ab und zu noch um Ufos, Esoterik, Weisheit und Erleuchtung, macht Wahlkampfwerbung für die Grünen und die Linke und hat einen neue Hymne für die Fußballer vom 1. FC Union Berlin eingesungen.

„Nina Hagen singt Brecht und Blues“ Di 26.3., 20.00, Schauspielhaus (U/S Hbf.), Kirchenallee 39, Karten ab 10,-; Internet: www.einfach-nina.de