Theater-Tipp

„Die Blechtrommel“: Grass-Bestseller auf der Bühne

Touren mit „Die Blechtrommel“: Clemens von ­Ramin, Ulrike Folkerts und ­Stefan Weinzierl (v. l.).

Touren mit „Die Blechtrommel“: Clemens von ­Ramin, Ulrike Folkerts und ­Stefan Weinzierl (v. l.).

Foto: Martin Lukas

Seine Stimme ist die Trommel. Mit ihr protestiert Oskar Matzerath gegen die Erwachsenenwelt der 1930er-Jahre. Gegen Totalitarismus, Enge und Verrat. Mit „Die Blechtrommel“ schrieb Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass einen Weltbestseller von zeitloser Größe. Aneignungen gab es von dem Stoff in Film und Theater bereits etliche.

Neu ist das, was sich der Hamburger Schlagzeuger Stefan Weinzierl ausgedacht hat. In einer Konzert-Lesung lässt er am 23. März im Ernst Deutsch Theater den ausufernden Text in Auszügen von der populären Schauspielerin Ulrike Folkerts und dem Rezitator Clemens von Ramin lesen, während er selbst die Texte an diversen Schlaginstrumenten lautmalerisch zum Leben erweckt.

Der Text ist original, auch wenn das von Günter Raake aus dem Klassiker destillierte Skript nur eine Auswahl zentraler Textpassagen darstellen kann. Sie erzählen gleichwohl den Fortgang der Handlung. Weinzierl bedient dazu Marimba, Vibrafon, Live-Elektronik und Percussion in einem umfangreich aufgebauten Klang-Apparat. Zentral ist der Moment, an dem Oskar Matzerath als Dreijähriger die Treppe herunterfällt und fortan das Wachstum einstellt. „Und ich begann zu trommeln“, liest Ulrike Folkerts, woraufhin Stefan Weinzierl einmal lautstark mit Schlagstöcken über die aufgebauten Gerätschaften fegt. Clemens von Ramin und Ulrike Folkerts halten Zwiesprache über den Text, geben ihm dadurch eine fast szenische Lebendigkeit. Ihre Stimmen bilden einen intensiven Kontrast.

Folkerts, als „Tatort“-Kommissarin Lena Odenthal bekannt, war auch schon als Tod im „Jedermann“ der Salzburger Festspiele zu sehen. Außerdem spielte sie 2015 in „Chuzpe“ an den Hamburger Kammerspielen. Clemens von Ramin wiederum hat sich seit 17 Jahren einen guten Ruf als Rezitator internationaler Klassiker erworben. Die Musik ist hier mal eher untermalend, illustrierend, an anderen Stellen wiederum erobert sie sich ihren eigenen Raum, findet zu einer eigenen Sprache, wird zum Mitspieler auf der Bühne.

„Die Blechtrommel“, erschienen 1959, ist heute in Zeiten des ausufernden Populismus wieder aktueller denn je. Die Geschichte von Oskar Matzerath, der in Danzig in kleinbürgerlichen Verhältnissen aufwächst und an seinem dritten Geburtstag eine Blechtrommel von seiner Mutter geschenkt bekommt, ist die Geschichte einer Verweigerung auch gegenüber dem aufkommenden Nationalsozialismus. Oskar begreift sich als „innerlich und äußerlich“ vollkommen fertig, wird schon bald mit seiner Stimme zu allen Gelegenheiten Glas zersingen und ein in jeder Hinsicht ungewöhnliches Leben führen. Grass thematisiert in einem gekonnten Realismus das schleichende Ausbreiten der nationalsozialistischen Ideologie und ihre Verwurzelung im Einzelnen.

Mit der konzertanten Lesung tourte das Künstler-Trio bereits durch zahlreiche Städte. Nun kommt „Die Blechtrommel“ endlich in der Heimatstadt des Initiators Stefan Weinzierl an.

„Die Blechtrommel“ Sa 23.3., 19.30, Ernst Deutsch Theater (U Mundsburg), Friedrich- Schütter-Platz, Karten zu 22,- bis 39,- unter T. 22 70 14 20; www.dieblechtrommel.de