Film-Tipp

„Vakuum“ ist ein unsentimentales Porträt einer alten Liebe

Meredith (Barbara Auer) und André (Rober Hunger-Bühler)

Meredith (Barbara Auer) und André (Rober Hunger-Bühler)

Foto: RealFiction

Ein älterer Mann (Robert Hunger-Bühler) räumt geduldig die Legosteine seiner Enkel weg, geht zu seiner Frau (Barbara Auer), die noch schläft. Kuscheln am Morgen. Im Bad hilft er ihr sogar beim Haaransatz-Färben und sagt zärtlich: „Grau steht dir bestimmt gut“. Wer so einverstanden ist mit dem Älterwerden seiner Partnerin wie André (Hunger-Bühler), scheint in der Liebe einiges richtig zu machen.

Und doch zeichnet sich schon bald ein Riss in diesem bürgerlichen Idyll ab. Meredith (Auer) erfährt durch eine Blutspende, dass sie HIV-positiv ist. Nur ihr Mann kann sie angesteckt haben. Sie findet heraus, dass er regelmäßig ein Bordell besucht. Was folgt, entspricht dem erwartbaren Empörungs-Muster: Meredith will die Infektion erst nicht wahrhaben, stellt dann ihren Mann zur Rede und schmeißt ihn raus. Schluckt starke Medikamente, um den Ausbruch der Krankheit zu unterdrücken. Übergibt sich wegen Nebenwirkungen. Und trotzdem gewinnt allmählich eine simple Frage Raum: Wie geht es nun weiter?

Hat die Schweizer Regisseurin Christine Repond in ihrem Debüt „Silberwald“ (2011) von jungen Menschen erzählt, deren Zukunft in einem Sog von Aggression unterzugehen droht, wendet sie sich in ihrem zweiten Spielfilm einem älteren Paar zu, das sich noch mal auf die Suche nach seiner Zukunft machen muss. Interessant dabei ist, dass Repond gar keine Fassade errichtet, die einstürzen könnte.

Nüchtern registriert sie die Verrichtungen, Gesten und Mienen der beiden Hauptdarsteller, entdeckt überall Uneindeutiges und gebrochen Schönes. Vor allem aber liegt es am feinen Spiel von Barbara Auer und Robert Hunger-Bühler. Merediths und Andrés Kultiviertheit braucht keine Statussymbole, sondern ist Ausdruck ihres reflektierten Wesens und wertschätzenden Miteinanders.

Im Englischen gibt es für solche Storys das Subgenre der „Comedy of Re-Marriage“, also der „Wiederverheiratungskomödie“. In „Vakuum“ gibt es nichts zu lachen. Repond erzählt aber auch kein Drama um die Frage, wie verwerflich der Besuch von Bordellen oder das Stigma von Aids in der „bürgerlichen Mitte“ im Jahr 2019 ist.

„Vakuum“ SUI/D 2017, 80 Min., ab 12 J., R: Christine Repond, D: Barbara Auer, Robert Hunger-Bühler, Orianna Schrage, täglich im Abaton, Zeise; realfictionfilme.de