Theater-Tipp

„Sophie“ – die Geschichte einer Frau in zwölf Altersstufen

Anika Mauer gibt als Sophie eine Frau, deren Leben in zwölf Szenen und ­Altersstufen erzählt wird. Links: Richard Zapf als Sam.

Anika Mauer gibt als Sophie eine Frau, deren Leben in zwölf Szenen und ­Altersstufen erzählt wird. Links: Richard Zapf als Sam.

Foto: Oliver Fantitsch

Ihr Gesicht begegnet einem dieser Tage öfter – in U-Bahn-Stationen. Als „Sophie“ ist Anika Mauer auf Plakatwänden zu sehen, bewusst etwas unscharf. Jetzt, an diesem verregneten März-Morgen, sitzt die Frau, die die Titelrolle im neuen Stück am Ernst Deutsch Theater spielt, im „Konversationszimmer“, einem Raum mit gefährlich niedriger Deckenhöhe hinter der Bühne, und macht sich und dem Gast erst mal einen Kaffee. Anika Mauer hat ihre blonden Haare zurückgebunden, trägt ein buntes Kleid und ist erstaunlich wach. Sie stehe jeden Morgen um sechs Uhr auf, erzählt die Schauspielerin. Das bringen ihre Mutterrolle und ihre Kinder (10, 12 und 14 Jahre) eben so mit sich.

Zum dritten Mal schon probt und spielt Anika Mauer an der Mundsburg. Sie kennt sich hier aus, ist indes als Sophie in Hamburg Gast: In der Revue „Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre“ nahm sie im Ensemble 2014 das Publikum mit auf eine musikalische Zeitreise in die 20er- und 30er-Jahre, 2017 dann gefiel sie am Ernst Deutsch Theater im Eifersuchtsdrama „Unwiderstehlich“ neben Boris Aljinovic.

Im Gegensatz zum Ex-„Tatort“-Kommissar ist Anika Mauer weniger ein Fernsehgesicht, vielmehr eine Frau, der die Passion fürs Theaterspielen anzumerken ist: „Ich wollte dieses Stück machen – unbedingt, auch in Hamburg“, sagt sie über „Sophie“. Für die deutschsprachige Erstaufführung am 14. März nach dem Textbuch der Niederländerin Roos Ouwehand hat sie ihre Heimat Berlin verlassen und ihre Kinder nur am Wochenende gesehen.

In der Hauptstadt ist Anika Mauer nicht irgendwer. Zweimal bereits erhielt sie den „Goldenen Vorhang“, die Auszeichnung als Berlins beliebteste Schauspielerin. Bei der Publikumswahl ließ sie Film- und Fernsehgrößen wie Nina Hoss oder Dagmar Manzel hinter sich. Mauer, am Potsdamer Platz einst in der Uraufführung des Udo-Lindenberg-Musicals „Hinterm Horizont“ zu erleben, hatte mit einer Paraderolle auch in Hamburg geglänzt: im St. Pauli Theater in „Venus im Pelz“.

Das Erotikdrama war wie „Unwiderstehlich“ und „Ich weiß nicht ...“ an der Mundsburg eine Co-Produktion mit dem Renaissance-Theater. Es ist für die wandlungsfähige Darstellerin nach ihrer Zeit am Deutschen Theater künstlerische Heimat geworden – obwohl Anika Mauer seit 15 Jahren freiberuflich tätig ist. Den Renaissance-Intendanten Horst H. Filohn schätzt sie sehr, ebenso den Niederländer Antoine Uitdehaag, in „Unwiderstehlich“ und auch jetzt ihr Regisseur.

Das neue Stück ist für sie kein Drama. „Es ist das Abbild eines Lebens“, meint Anika Mauer. „Der Autorin gelingt es im Kleinen, eine große Geschichte zu erzählen. Und darum geht es doch.“ Das geschieht in zwölf Szenen, Momentaufnahmen aus Sophies Leben. Dafür ist die Schauspielerin mal ganz normale Frau, dann Mutter, Ehefrau, Freundin und Großmutter. „Ich hoffe, dass sich die Zuschauer von den Szenen mitnehmen lassen“, sagt Anika Mauer.

Sie selbst wird alles dafür tun, sucht während des Hamburg-Gastspiels indes noch Tätigkeiten als Sprecherin für Radio-Features. Und will mit 45 noch steppen lernen. Erst mal aber steckt sich Anika Mauer zum Kaffee und dem halben Croissant eine Zigarette an. Draußen kämpft sich die Sonne durch – für sie stehen die Endproben an. Erst auf der Bühne zeigt die Frau vom Plakat all ihre Gesichter.

„Sophie“ deutsche EA Do 14.3., 19.30, bis 18.4., Ernst Deutsch Theater (U Mundsburg), Friedrich-Schütter-Platz, Karten zu 22,- bis 42,-: T. 22 70 14 20; www.ernst-deutsch-theater.de