Literatur-Tipp

Herman Melvilles Epos „Moby Dick“ von Tukur und Knauer

Bringen Herman Melvilles Epos zu Gehör: Schauspieler Ulrich Tukur (l.) und Pianist Sebastian Knauer.

Bringen Herman Melvilles Epos zu Gehör: Schauspieler Ulrich Tukur (l.) und Pianist Sebastian Knauer.

Foto: Andreas Hornoff

Vor gut einem Jahr sollte der österreichische Film- und Schauspiel-Star Klaus Maria Brandauer („Mephisto“, „Sag niemals nie“) im Kolosseum zu Lübeck mit dem Hamburger Pianisten Sebastian Knauer auftreten. Ihr gemeinsames Projekt: „Moby Dick“. Doch Brandauer erkrankte – Ulrich Tukur sprang ein. Aus der Zufallsverbindung des in Hamburg auch dank seiner Engagements an den Kammerspielen und im St. Pauli Theater bekannten Film- und Fernsehstars („Das Leben der Anderen“, „Tatort“) mit dem Klassikkünstler Knauer ist eine etwas längere Liaison geworden.

Tukurs und Knauers „Moby Dick“-Abend Mitte Januar im Deutschen Schauspielhaus war schnell ausverkauft. Am heutigen Freitag geben beide im größten deutschen Sprechtheater deshalb eine Zusatzvorstellung ihrer literarisch-musikalischen Lesung.

Wobei Tukur und Knauer gewiss nicht an Unterbeschäftigung leiden: Der selbst als Pianist und Sänger auftretende Tukur war zur Jahreswende Stammgast in der Elbphilharmonie, füllte dort mit seinen Rhythmus Boys und als Gast des Neujahrskonzerts des St. Pauli Theaters gleich viermal den Großen Saal. Auch der inzwischen international gefragte Hamburger Pianist Knauer spielte in der Elbphilharmonie bereits zweimal vor vollem Haus – im von ihm mitinitiierten Sonderkonzert für beim G-20-Gipfel eingesetzte Polizeibeamte im Juli 2017 und im vergangenen Oktober zum 70. Geburtstag des Hamburger Abendblatts.

Tukur liest Passagen, Knauer spielt Wagner, Liszt und Co.

Dem gewaltigen Epos „Moby Dick“, in Antú Romero Nunes’ Regie übrigens ein spektakulärer Erfolg im Thalia Theater, widmen sich Tukur und Knauer auf der Bühne des Schauspielhauses szenisch. Tukur liest einzelne Passagen aus Herman Melvilles packender Erzählung von 1851.

Die Schilderungen des Matrosen Ishmael, einziger Überlebender eines Walfänger-Schiffes, drehen sich nicht nur um den von Rache besessenen Kapitän Ahab und seine Jagd auf den dämonischen weißen Wal, der ihm einst ein Bein abriss. Die abenteuerliche Reise in die raue Welt der Walfänger ist eine Hymne an die Magie des Meeres. Erzähler und Zuhörer erleben hier jedoch auch einen faustischen Pakt des Kapitäns mit dem Wal – ohne dass sich das Geheimnis der Welt genau ergründen lässt. Das komplexe Werk verbindet mit seiner Sprachkunst auch biblische Motive mit dem fantasievollen Kosmos Shakespeares.

Sebastian Knauer umrahmt Tukurs Erzählpassagen mit Musik von Richard Wagner, Isaac Albéniz, Franz Liszt, Maurice Ravel, Johannes Brahms, Antonín Dvořák und Edvard Grieg. So klingt „Moby Dick“ noch mal ganz anders als die Theaterfassung.

Ulrich Tukur & Sebastian Knauer: „Moby Dick“ Fr 8.2., 20 Uhr, Deutsches Schauspielhaus (U/S Hbf.), Kirchenallee 39, Karten zu 27,60 bis 77,10 Euro in der Abendblatt-Geschäftsstelle, Großer Burstah 18-32