Show-Tipp

Samurai-Trommeln: „Drum Heart“-Premiere auf Kampnagel

In der Schule stellten sich früher oder auch ganz früher Fragen, die Klassen oder Cliquen spalteten, an denen im Extremfall sogar Freundschaften zerbrachen: „Geha oder Pelikan? „Beatles oder Rolling Stones?“ Für Freunde japanischen Trommelns lautet sie: Yamato oder Tao?

Das erstgenannte Ensemble nennt sich gern „Drummers Of Japan“ und drückte bei seinem bis dato letzten Hamburger Auftritten in der Staatsoper etwas zu sehr auf die Comedy-Tube und die Mitklatsch-Taste. Die Tao-Truppe firmierte recht martialisch als „Samurai Of The Drums“. So hieß auch die Show, mit der die 13 durchtrainierten Männer und Frauen vor knapp zwei Jahren zuletzt in der Barclaycard Arena gastierten.

Einst ließ Tao in der Hansestadt mit ihren großen Instrumenten die Wände der Fliegenden Bauten, der Laeiszhalle und des CCH erbeben. Vom 9. bis 13. Januar präsentiert die Gruppe zum Auftakt ihrer Deutschland-Tournee 2019 ihr neues Programm „Drum Heart“ in der größten Halle K6 der Kulturfabrik Kamp­nagel.

Tradition und Moderne miteinander zu verbinden, ohne in Kitsch abzugleiten, das ist die hohe (Trommel-)Kunst. Längst ist sie zum globalen Beat geworden. 2004 erlebte Tao beim Fringe Festival im schottischen Edinburgh ihren Durchbruch. Seitdem hat die Truppe, deren Heimat und Freilufttheater im Aso Kuju National Park ist, schon mehr als sieben Millionen Besucher in 24 Ländern auf eine Reise von der Edo-Zeit (1603–1868 ) bis in die Gegenwart mitgenommen. Edo hieß die damalige Hauptstadt, heute als Tokio die größte Metropolregion der Welt.

Die Show ist ein Mix aus musikalischer Meditation und wilder Kampfkunst

Auch in Japan wurden Trommeln von jeher als Schlaginstrumente eingesetzt. Die Anlässe waren vielschichtig. Die Samurai nutzen sie zur Motivation der eigenen Kämpfer, aber auch zur Einschüchterung der Gegner. Dorfbewohner hingegen kommunizierten mit den Trommeln zwischen Siedlungen oder um Vögel von den Feldern zu scheuchen. Doch auch bei Feiern und Theateraufführungen erklangen die Instrumente.

Eine – im wahrsten Sinne – durchschlagende Wirkung entfalten die athletischen Künstler unter Leitung des Tour-Verantwortlichen Taro Harasaki nicht nur mit lautem Dröhnen. Sie schaffen es auch, aus den Anfängen der jahrhundertealten Wadaiko-Musik eine zeitgemäße Form zu kreieren, kombiniert mit Pop-Elementen. Daraus erwächst eine Mischung aus musikalischer Meditation und wilder Kampfkunst, stets vorgetragen mit ausgefeilter Choreografie, Wucht und Ausdauer. So wird sogar ein Trommelgewitter zum Genuss für Augen und Ohren. Wie eine Reise durch Zeit und Raum.

Dafür ist an den bis zu 1,70 Meter im Durchmesser großen Trommeln außer ganz viel Rhythmusgefühl vor allem körperlicher Einsatz gefordert. In der kraftvollen Performance gehen die Trommler bis an ihre Grenzen; mit neuen Laser-Show-Elementen soll das bei „Drum Heart­“ ästhetischer denn je wirken.

Die Schwingungen durchdringen von Kopf bis Fuß nicht nur die Körper der Performer, sondern oft auch die der Zuschauer. Im Idealfall entsteht ein Wechselspiel vom tiefen Grollen der riesigen Taiko-Trommeln und leisen Momenten voll lyrischer Schönheit, erwachsen aus der Philosophie des Fernen Ostens.

Tao: „Drum Heart“ 9. bis 13.1., Premiere Mi 9.1., je 19.30 Uhr Sa 12./So 13.1., auch 14.30 Uhr, Kampnagel K6 (Bus 172/173), Jarrestraße 20–24, Karten zu 39,90 bis 64,90 Euro in der Abendblatt-Geschäftsstelle, Großer Burstah 18–32, T. 30 30 98 98