Kino-Tipp

Das Drama „Adam und Evelyn“ im Abaton

Überraschende Episode an der Grenze zu Ungarn. Anhalterin Katja (Lena Lauzemis) versteckt sich im Kofferraum. Die Grenzer sehen sie, sagen aber nichts.

Überraschende Episode an der Grenze zu Ungarn. Anhalterin Katja (Lena Lauzemis) versteckt sich im Kofferraum. Die Grenzer sehen sie, sagen aber nichts.

Foto: - / dpa

Im Sommer 1989 beginnt sich für junge Menschen im Osten Deutschlands die Welt zu verändern. Evelyn (Anne Kanis) arbeitet als Kellnerin und ist mit Adam (Florian Teichtmeister) zusammen. Er arbeitet als Schneider und fotografiert Frauen, gern auch ohne Kleider. Das führt zu Spannungen. „Ich will nicht, dass deine Weiber meine Schuhe tragen“, schimpft sie, als sie ihre Pumps auf einem Foto entdeckt. Als sie früher als erwartet von der Arbeit heimkommt und ihn in inniger Umarmung mit einer anderen Frau sieht, reicht es ihr.

Sie will nicht mehr mit ihm zusammen an den Balaton in Urlaub fahren und schließt sich stattdessen mit einer Freundin und deren Cousin Michael aus Hamburg an, die nach Ungarn fahren. Adam tuckert mit seinem alten Wartburg hinterher und nimmt unterwegs eine Anhalterin mit. Als sie dort ankommen, ist Evelyn alles andere als begeistert.

Im Radio laufen derweil Nachrichten über die in Auflösung begriffene DDR. Und dann sind plötzlich die Grezen offen. Wie sollen Evelyn und Adam darauf reagieren?

Es herrscht ein schier endloser Sommer im Drama von Andreas Goldstein und Jakobine Motz. Der Film „Adam und Evelyn“ geht auf den gleichnamigen Roman von Ingo Schulze zurück, den Regisseur Goldstein mochte, weil er einen filmischen Ansatz habe und mit vielen Auslassungen arbeite. Viele schöne lakonische Dialoge durchziehen den Film. „Adam lebt im Paradies. Ich habe Spätschicht“, schildert Evelyn ihre unterschiedlichen Lebenswelten, in denen sie schließlich von der Zeitgeschichte eingeholt werden. West-Cousin Michael wundert sich: „Ich habe nie darüber nachgedacht, dass man im Osten auch Urlaub macht.“ Lena antwortet spitz: „Dachtest du, wir haben nie frei? Oder immer?“

„Es sind diese Sätze, die mich dazu gebracht haben, diesen Film machen zu wollen“, so Regisseur Goldstein. Autor Ingo Schulze und der ungarisch-hamburgische Gábor Altorjay kommen heute ins Abaton, um den Film vorzustellen.

„Adam und Evelyn“ Mo 14.1., Di 15.1., Mi 16.1., 20 Uhr, Abaton (Bus 4, 5), Allende-Platz 3, Karten 8,50, ermäßigt 7,50 Euro