Konzert-Tipp

Nach acht Jahren gibt es neue Songs von und mit Cypress Hill

Foto: CYPRESS HILL MUSIC INC.

Es beginnt mit einer Ouvertüre aus Sitar und Tabla. Ungewöhnlich für eine Hip-Hop-Combo. Doch Cypress Hill öffnen sich asiatischer Spiritualität, wie das in den 60er-Jahren schon die Beatles getan haben. Auf dem Cover ihres aktuellen Albums „Elephants On Acid“ ist der hinduistische Gott Ganesh zu sehen. Das Geschöpf mit dem Elefantenkopf steht für unendliche Weisheit und großen Einfallsreichtum. Musikalisch findet das seine Entsprechung in den 21 Tracks, die DJ Muggs für die Latino-Band aus Los Angeles kreiert hat. „Elephants On Acid“ ist ein buntes Kaleidoskop aus Klängen und Texten. Mit seiner Vielfalt und den indischen und arabischen Einflüssen ist es ein Werk mit psychedelischem Hip-Hop geworden.

Das Quartett mit den beiden Rappern B-Real und Sen Dog, DJ und Produzent Muggs und Percussionist Eric Bobo gehört zu den Veteranen des Hip-Hops. Die größten Erfolge feierte Cypress Hill Anfang der 90er-Jahre mit den Alben „Black Sunday“ und „III: Temples Of Boom“, die in den USA Platin erhielten. 18 Millionen Alben hat die Band in ihrer Karriere verkauft. In den USA ist das aktuelle Album jedoch untergegangen. „Elephants On Acid“ erreichte nur Platz 120. Acht Jahre hat es gedauert, bis Cypress Hill sich mit einem neuen Werk zurückgemeldet hat. Im schnelllebigen Pop-Business eine halbe Ewigkeit. Vielleicht sind die neuen Tracks für nachgewachsene Generationen von Hip-Hop-Kids nicht aggressiv genug. Der „Parental Advisory“-Aufkleber, sicheres Indiz für Reime unter der Gürtellinie, fehlt auf diesem spirituellen und friedlichen Werk. Was jedoch nicht bedeutet, dass es nicht Songs gibt, zu denen man nicht tanzen könnte.

Hierzulande hat Cypress Hill immer noch eine große Anhängerschaft

„Elephants On Acid“ ist keine Zusammenstellung von Tracks, bei denen die Reihenfolge egal ist. Es ist ein ausgeklügeltes Konzeptalbum mit Nummern und sogenannten „Intervals“, die zwischen 30 Sekunden und drei Minuten lag sind. Nur das abschließende „Stairway To Heaven“, übrigens kein Led-Zeppelin-Cover, dauert fast sechs Minuten. Der „Elefant auf LSD“ ist ein fantastischer Trip, bei dem Muggs Chöre, Streicher und eine Orgel einsetzt und vielen Nummern so etwas Sakrales gibt. LSD war nie die Droge, für die Cypress Hill sich starkgemacht hat. Wenn sie „Dr. Greenthumb“ und „Legalize It“ rappen, fordern sie die Freigabe von Marihuana. In Kalifornien ist der Konsum seit 2017 gestattet. Bei Konzerten, als es noch kein Rauchverbot in Clubs und Kneipen gab, bewegte sich die Band auf der Bühne wie Gorillas im Nebel, die Luft war durchzogen von dicken Schwaden der paffenden Zuschauer. Passivkiffen war unumgänglich.

Die Blütezeit dieser wichtigen Hip-Hop-Band ist in den USA lange vorbei, hierzulande hat Cypress Hill immer noch einen guten Ruf und eine große Anhängerschaft. Deshalb gastieren DJ Muggs, Sen Dog, B-Real und Eric Bobo auch in der großen Sporthalle und nicht in einem Club. Nur mit dem Kiffen in der Halle wird es nicht ganz so einfach, denn in Deutschland ist es immer noch verboten. Die Sicht auf die Bühne wird dann allerdings nicht durch grünen Dunst getrübt.

Cypress Hill So 16.12., 20 Uhr, Sporthalle (U Lattenkamp), Krochmannstraße 55, Karten zu 52 Euro im Vorverkauf