Film-Tipp

Kult in Kino und TV: Wie man sich einen Prinzen angelt

Power-Magd (Libuše Šafránková) und Dödel-Prinz (Pavel Trávnícek).

Power-Magd (Libuše Šafránková) und Dödel-Prinz (Pavel Trávnícek).

Foto: DEFA

Gegen Ende des Jahres häufen sich die lieb gewonnenen Rituale. Bevor wir 2018 mit gefühlt einem Dutzend Ausstrahlungen des Sketches „Dinner For One“ verabschieden, wird es erst einmal noch märchenhaft.

Der Film „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ kam im November 1974 bei uns in die Kinos. Ein Jahr später wurde er zum ersten Mal im Fernsehen gezeigt. Der Film ist eine Koproduktion der Tschechoslowakei mit der DDR. Vorbild war das Märchen „Aschenputtel“ der Gebrüder Grimm und von Božena Němcová.

Es gibt, na klar einen schönen Prinzen (Pavel Trávníček), der allerdings ziemlich trottelig ist. Und dann ist da die possierliche Aschenbrödel (Libuše Šafránková), ein armes, aber emanzipiertes Mädchen, das viel besser rennen, reisten, klettern und tanzen kann als er. Der vor wenigen Tagen gestorbene Rolf Hoppe ist als König zu sehen.

Aschenbrödel wird von ihrer fiesen Stiefmutter und deren leiblicher Tochter Dora nach Kräften gemobbt. Auf dem Schloss wird ein Hofball gegeben, bei dem der Prinz sich seine Braut aussuchen soll. Aschenbrödel wird dazu verdonnert, in der Küche Linsen und Mais zu sortieren. Mit Hilfe einer ihrer Zaubernüsse bekommt sie aber ein Ballkleid, geht auch ins Schloss und tanzt mit dem Prinzen, der sich natürlich unsterblich in sie verliebt. Weil sie einen Gesichtsschleier trägt, kann er sie nicht erkennen. Als sie aus dem Schloss flieht, verliert sie ihren Schuh auf der Treppe. Mit seiner Hilfe wird der Prinz sie wiederfinden.

Bekannt wurde auch die eingängige Filmmusik von Karel Svoboda, die am Donnerstag im Mehr! Theater von einem großen Orchester live zum Film gespielt wird.

Viele Szenen, auch die mit dem verlorenen Schuh, wurden in Schloss Moritzburg bei Dresden gedreht. Es ist zu einem Magneten für Touristen geworden. Dort werden Ausstellungen mit den Kostümen gezeigt. Die erste zog 150.000 Besucher. Die Treppe des Schlosses gilt bis heute als beliebter Ort für Heiratsanträge. Der Film ist in Tschechien zum besten Märchenfilm des 20. Jahrhunderts gewählt worden. Natürlich hat man auch versucht, die Geschichte in ein Musical zu verwandeln, aber an den eigenwilligen Charme des Films, der in Deutschland 700.000 Mal als DVD verkauft wurde, hat es nicht herangereicht.

„Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ (DF), So 9.12., 12..00, Savoy (U/S Hbf.), Steindamm 54, Karten 9,-; Do 13.12., 19.30, Mehr! Theater (Bus 34), Banksstaße 28, Karten ab 28,70; Mo 24.12., 12.00 (ARD), 16.20 (NDR); Di 25.12., 10.25 (ARD)