Literatur-Tipp

Eine Leseprobe mit Starbesetzung im St. Pauli Theater

Catrin Striebeck gehörte lange zum Ensemble des Schauspielhauses.

Catrin Striebeck gehörte lange zum Ensemble des Schauspielhauses.

Foto: dpa Picture-Alliance / Horst Galuschka / picture alliance / Horst Galusch

In diesem Jahr feiert das Thalia Theater sein 175. Jubiläum. Einer, der eine Zeit lang stilprägend für das Haus war, ist der ehemalige Thalia-Chefdramaturg und Schriftsteller John von Düffel – im Rahmen des diesjährigen Theaterfestivals kehrt er nun für einen Theaterabend am St. Pauli The­ater nach Hamburg zurück und bringt dort am heutigen Dienstag in einer „Leseprobe“ Texte von Aischylos, Sophokles und Euripides auf die Bühne.

Die „Orestie“ gehört zu den „Urstoffen“ des abendländischen Theaters, von Düffel verdichtet die Handlung auf die Geschwister Orest und Elektra sowie deren Mutter Klytaimnestra und will den Zuschauern mit drei ganz wunderbaren Schauspielern auch ohne fertige Inszenierung einen „intensiven Theaterabend im Kopf“ bereiten. Catrin Striebeck (heute am Wiener Burgtheater engagiert) kennt das Hamburger Theaterpublikum vor allem aus dem Schauspielhaus, dessen Ensemble sie lange angehörte, Florian Lukas eher aus dem Fernsehen oder dem Kino, unter anderem spielte er preisgekrönt im TV-Mehrteiler „Weissensee“ und in „Good Bye, Lenin!“. Constanze Becker, Ensemblemitglied am Schauspiel Frankfurt, war vor ein paar Jahren schon einmal beim Hamburger Theaterfestival zu Gast, in der Titelrolle in Michael Thalheimers eindringlicher Frankfurter „Medea“-Inszenierung.

Es ist bereits das zweite Mal, dass das Hamburger Theaterfestival unter dem Motto „Große Schauspieler lesen große Texte“ zur „Leseprobe“ lädt, ein Veranstaltungsformat der Festivalakademie.

Im vergangenen Herbst hatte John von Düffel, der sich auch das grundsätzliche Konzept überlegte, „Macbeth“ mit den Geschwistern Ben und Meret Becker eingerichtet. Einen Tisch, eine Pappkrone und die Texte – mehr brauchten die beiden nicht, um sich der Vorlage neu zu nähern. Das Theaterfestival indes läuft noch bis zum 28. November und bietet außer einem Podiumsgespräch mit Ulrich Matthes zwei letzte starke Inszenierungen: Die Schaubühne Berlin zeigt am Wochenende 27./28.10. „Hedda Gabler“, das Deutsche Theater gastiert zum Finale mit „Tod eines Handlungsreisenden“.

„Orest“-Leseprobe Di 23.10., 20 Uhr, St. Pauli Theater (U St. Pauli/S Reeperbahn), Spielbudenplatz 29–30, Eintritt 10 bis 41 Euro