Kino-Tipp

Ein Beziehungsdrama, das zum Nachdenken anregt

HANDOUT - 20.09.2018, ---: Aenne Schwarz als Janne und Hans Löw als Martin in einer Szene des Films "Alles ist gut" (undatierte Filmszene). Der Film kommt am 27.09.2018 in die deutschen Kinos. (zu dpa-Kinostarts vom 20.09.2018) Foto: -/NFP/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit einer Berichterstattung über den Film und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits +++ dpa-Bildfunk +++

HANDOUT - 20.09.2018, ---: Aenne Schwarz als Janne und Hans Löw als Martin in einer Szene des Films "Alles ist gut" (undatierte Filmszene). Der Film kommt am 27.09.2018 in die deutschen Kinos. (zu dpa-Kinostarts vom 20.09.2018) Foto: -/NFP/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit einer Berichterstattung über den Film und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits +++ dpa-Bildfunk +++

Foto: - / dpa

Eva Trobischs starkes Beziehungsdrama „Alles ist gut“ läuft in drei Hamburger Kinos.

Kino.  In komplizierten Zeiten möchte man hin und wieder wenigstens so tun, als wäre alles ganz einfach. Möglicherweise hat sich deshalb in letzter Zeit die Phrase „Alles gut“ eta­bliert. Dabei scheint die Lage für die Lektorin Janne (Annika Blendl) zunächst gar nicht kompliziert. Sie lernt auf einem Klassentreffen Martin (Hans Löw) kennen. Es wird getanzt und viel getrunken. Der Heimweg zu Janne ist einigermaßen kurz, deshalb bietet sie ihm eine Couch an. Er nimmt das Angebot an – und macht Janne Avancen. Sie lehnt ab. Er raunt beleidigt, sie dürfe ihn „nicht so hängen lassen“. Sie wehrt sich, er stößt sie zu Boden und nimmt sich einfach, was ihm seiner Meinung nach zusteht.

Wer Täter ist, wer Opfer, ist klar. Aber Martin ist eben auch der Schwager von Jannes neuem Chef Robert (Tilo Nest), dem Abteilungsleiter eines renommierten Verlags. Zudem kriselt Jannes Beziehung zum jähzornigen Piet (Andreas Döhler), der mit ihr eigentlich in ein Haus auf dem Land ziehen wollte. Bis der neue Job dazwischen kam. Eine Anzeige wegen Vergewaltigung würde die Dinge gerade eher verkomplizieren. Und so erklärt Janne ihr blaues Auge damit, sie sei „gegen etwas gelaufen“.

Jeder merkt, dass dies nicht der Wahrheit entspricht, nimmt die Erklärung aber dennoch dankbar hin. Ihrer Mutter vertraut Janne sich fast an. Aber als die bohrend nachfragt, wiegelt Janne ab. Und als Martin, der Vergewaltiger, ihr als Mitarbeiter eines gemeinsamen Verlagsprojekts vorgestellt wird und er unbeholfen um Entschuldigung bittet, mauert sie: „Alles ist gut.“

Das Spielfilmdebüt von Regisseurin Eva Trobisch lebt von der starken Präsenz der Darsteller und den ruhigen Bildern. Es wird zum ­präzis gezeichneten, höchst beklemmenden Zeugnis ungleicher Machtverhältnisse, zum Porträt einer oberflächlichen zivilen Ordnung, die all zu oft auf Verdrängung basiert. Gar nichts ist gut.

In Hamburg zeigen Abaton, Elbe und Studio-Kino diesen überaus sehenswerten Film.

„Alles ist gut“ 94 Minuten, ab 12 Jahren, läuft im Abaton, Elbe und Studio