Festival-Tipp

Deichbrand: Die Toten Hosen und 100 Bands in Cuxhaven

Ja, manchmal scheint bei Deichbrand auch mal die Sonne durch, so wie hier 2017 beim Konzert von Odeville

Foto: Patrick Franck

Ja, manchmal scheint bei Deichbrand auch mal die Sonne durch, so wie hier 2017 beim Konzert von Odeville Foto: Patrick Franck

Vielleicht liegt es daran, dass Die Toten Hosen so etwas wie die „Hausband“ von „Rock am Ring“ und „Rock im Park“ sind, jedenfalls waren Campino, Kuddel, Andi, Breiti und Vom nur selten auf Festivals in Norddeutschland zu erleben. Beim „Hurricane Festival“ auf dem Eichenring in Scheeßel waren die Hosen nur 2001 auf der Bühne, beim Deichbrand auf dem Seeflughafen Cuxhaven/Nordholz 2013. Dieses Jahr rocken die Düsselpiraten als Headliner wieder die Kuh vom Deich.

In 13 Jahren hat sich die Sause an der Elbmündung von 500 Besuchern auf 60.000 gesteigert (2017) und ist damit längst auf Augenhöhe mit Hurricane und Wacken Open Air, 100 Bands und DJs werden an vier Tagen vom 19. bis zum 22. Juli über vier Bühnen geweht. Konkurrenz belebt sowohl das Geschäft als auch das Ringen und Schachern um die besten Bands, und die Deichbrandmeister haben dieses Jahr einen wirklich guten Job gemacht. Die Toten Hosen sind ja nur das Ende der Rock-Fahnenstange, mit dabei sind auch die Oberstylisten des Glitzer-Austrorocks: Bilderbuch aus Wien. Auch eine harte Bank sind die Berliner-Retro­rocker Kadavar und ihre australischen Brüder im Geiste von Wolfmother. Nicht zu vergessen Mando Diao und The Hives, Editors und The Killers, die Hamburger Jungs von Kettcar sind auch da, zum Mitsingen OK Kid, Milky Chance, Amy Macdonald, SDP, Joris, Clueso und Bosse. Pop wie populär.

Ohne Hip-Hop wackelt auch in Cuxhaven das Watt nicht. Mann und Frau rappt deutsch mit Casper, SSIO, Chefboss, 257ers, Neonschwarz, Fiva x JRBB, Alligatoah, Maeckes, Freundeskreis, Ace Tee & Kwam.E und – falls jemand Bass braucht – Fünf Sterne Deluxe. Wenn Kopfnicken der einzige körperliche Ausdruck zu Musik ist, der vorzeigbar ist, hat man am Deich sein Auskommen.

Mit zwei Hauptbühnen wartet Deichbrand auf, die so platziert sind, dass man sich nur um 90 Grad drehen muss, um nach Von wegen Lisbeth auf der „Fire Stage“ Kontra K auf der „Water Stage“ zu sehen. Bei schlechtem Wetter, einer der Deichbrand-Traditionen, ist es im „Palastzelt“ trockener. Dort und auf der „Electric Island“-Bühne wird es besonders elektronisch mit Techno, House und mehr von Moonbootica, Digitalism, Moguai, Aka Aka, Super Flu (siehe Seite 3), Kollektiv Ost, Boys Noize oder Lexy und K-Paul.

Dem Festivalzeitgeist entsprechend ist Musik nicht alles. Poetry-Slams werden ebenso geboten wie ein Playgound mit Flunkyball-Arena, Volleyball-Feldern, Riesenrad und Beach Area, die Nordsee ist natürlich auch um die Ecke. Wer möchte, muss auch nicht im eigenen oder vor Ort bereits aufgebauten und mietbaren Igluzelt hausen oder auf den Wohnmobilplätzen stehen, sondern kann sich sogar einen eigenen Schrebergarten mieten. „Comfort Village“ heißt das Areal, einen Kilometer ab vom Gelände und per Shuttlebus zu erreichen. „Ruhige Lage“ wird das in Prospekten gern genannt. Relativ ruhige Lage.

Deichbrand Do 19.7. bis So 22.7., Seeflughafen Cuxhaven/Nordholz, Walter-Carstens-Straße 1, 27637 Nordholz/Cuxhaven, Karten 149,- im Vvk.; Tagestickets (Fr, Sa, So) jeweils 89,-;
www.deichbrand.de

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