Kabarett-Tipp

Mathias Richling: Spott für die Zukunft im St. Pauli Theater

Matthias Richling (65) erhielt in seiner Karriere gleich zweimal den Deutschen Kleinkunstpreis und schreibt alle seine Texte selbst

Foto: Theater Haus im Park / BGZ

Matthias Richling (65) erhielt in seiner Karriere gleich zweimal den Deutschen Kleinkunstpreis und schreibt alle seine Texte selbst Foto: Theater Haus im Park / BGZ

„Köpfe u. v. a.“ hieß 1974 das erste Kabarett-Programm von Mathias Richling. Damals hatte Helmut Schmidt gerade den zurückgetretenen Willy Brandt als Bundeskanzler abgelöst. Und Richling, für manche der ewige Zappelphilipp unter Deutschlands Satirikern, ist dem Titel seines Solodebüts treu geblieben. Hunderte von Politikern hat der populäre schwäbische Spötter in 44 Jahren parodiert.

Wenn Richling, Ende März kaum erkennbare 65 Jahre alt geworden, an diesem Freitag am ersten von vier Abenden zum Finale des Hamburger Kabarett-Festivals im St. Pauli Theater auftritt, möchte er nicht in der Gegenwart stehen bleiben. „Richling und 2084“, sein insgesamt 21. Bühnenprogramm, entwirft ein Zerrbild der Zukunft. Der Titel ist eine Anspielung auf George Orwells Roman „1984“. Dessen Dystopie sei längst von der politischen Realität überholt worden, meint der Festival-Stammgast. Etwa in Bezug auf den Überwachungsstaat, aber auch in Sachen Selbstentblößung im Internet.

Die Zukunft im Heute widerspiegeln, das will Richling. Deshalb trägt er etwa als greise Angela Merkel deren Regierunsgerklärung im Jahr 2084 vor. Und auch wenn die neuen Kabinettsmitglieder Seehofer und Söder gewiss nicht zu seinen Lieblingen zählen, versucht der Kabarettist sie in sein Programm zu integrieren.

Sein buntes Panoptikum im Theater zu erleben, kann sogar interessanter sein als im Fernsehen: Auf der Bühne kommt es umso mehr auf Mimik, Gestik und Tonfall statt auf Maske und Kostüm an. Gelungenstes Beispiel für beide Varranten ist gewiss Richlings Imitation des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann

Für diese satirische Reise nimmt sich Richling pro Abend ohne Pause gut 100 Minuten Zeit. Die machtbesessenen Trump, Putin und Erdogan kommen nämlich auch vor. Und sogar die britische Queen. „Die hat ja schon 62 Jahre Tournee auf dem Buckel“, scherzt Richling. Da hinkt er ausnahmsweise mal 18 Jahre hinterher.

„Richling und 2084“ HH-Premiere Fr 25.5., auch Sa 26.-Mo 28.5., je 19.30,
St. Pauli Theater (S Reeperbahn), Spielbudenplatz 29/30, Karten zu 17,80 bis 35,40: HA-Geschäftsstelle, Großer Burstah 18-32, T. 30 30 30 98; www.st.-pauli-theater.de

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