Kino-Tipp

„Molly’s Game“: Der Absturz einer Poker-Prinzessin

Der verliebte Douglas Downey (Chris O’Dowd) würde alles für Molly (Jessica Chastain) tun

Der verliebte Douglas Downey (Chris O’Dowd) würde alles für Molly (Jessica Chastain) tun

Foto: Michael Gibson / dpa

Sie war eine der großen Olympia-Hoffnungen der USA. Doch kurz vor den Winterspielen beendete ein tragischer Unfall die Sportkarriere der Skifahrerin Molly Bloom. In der Folge avancierte sie zu Amerikas schillernder Poker-Prinzessin. Sie organisierte die weltweit exklusivsten Pokerspiele für die Reichen und Mächtigen, für die Filmstars, Sportgiganten und Wall-Street-Bosse.

Allein durch Trinkgelder verdiente sie bis zu vier Millionen Dollar pro Jahr. Obwohl sie selbst nie am Spiel beteiligt war. Sie stieg hoch. Und fiel tief. Letztlich waren es die Gier und die Drogen, die ihr auf ihrem irrwitzigen Höhenflug in diesem Spielermilieu das Genick brachen. Eine schier unglaubliche – eine wahre Geschichte. Molly Bloom hat über ihre Jahre als Pokerkönigin von L.A. und New York 2014 ein Buch geschrieben. Drehbuchautor Aaron Sorkin („Eine Frage der Ehre“) hat daraus einen Film gemacht und erstmals auch Regie geführt.

„Molly’s Game – Alles auf eine Karte“ ist ein schier atemlos machender Film voller geschliffener Dialoge, temporeicher Bildfolgen und vor allem großartiger Darsteller, die in eine absonderliche Parallelwelt entführen, in der Geld und Nervenkitzel regieren. In der Einsätze von einer Viertelmillion Dollar die Eintrittskarte sind für lange Zockernächte, in denen es um alles oder nichts geht. Eine Zeit lang war Molly Bloom die mächtigste Frau in einer testosterongetriebenen Männerwelt.

Aus dem Buch weiß man, dass Hollywoodstars wie Leonardo DiCaprio, Ben Affleck oder Tobey Maguire lange Nächte an ihrem Luxus-Spieltisch verbrachten. Aaron Sorkin konzentriert sich auf die Glücksspielmanagerin, deren Start-up eine Dekade lang florierte.

Gleich zu Beginn erleben wir, wie die von Jessica Chastain grandios verkörperte Powerfrau von gleich 17 FBI-Beamten verhaftet wird, gefolgt von in schneller Abfolge geschnittenen Szenen aus Molly Blooms Jugend und vom Training mit ihrem erfolgsgewohnten Vater (Kevin Costner), einem Kinderpsychologen, der seine Tochter immer wieder filmt. „Ich vertraue den Leuten nicht“, sagt das Kind einmal mit traurigem Blick in die Kamera.

Diese Ouvertüre ist so rasant und fordernd, dass man sich schon fragt, wie man die nahezu zweieinhalb Stunden Kino überstehen soll. Doch Aaron Sorkin tritt glücklicherweise immer mal wieder auf die Bremse, wenn es um die Jetztzeit geht. Um die Gerichtsverhandlung. Und um den verbalen Schlagabtausch über Schuld und Unschuld zwischen Molly Bloom und ihrem Anwalt Charlie Jaffey (Idris Elba). Das ist ganz großes Schauspielerkino.

Wie Sorkin die Zeitebenen zu einem Ganzen formt, wie er Dialoge einem Sperrfeuer gleich abschießt, wie er einem den Nervenkitzel des Pokerns in elek­trisierenden Bilder nahebringt und dabei doch nie seine Hauptfigur aus den Augen verliert, ist phänomenal. „Molly’s Game“ ist spannend, dicht und fesselnd bis zuletzt. Ein höchst gelungenes Regiedebüt.

„Molly’s Game – Alles auf eine Karte“ USA 2017, 140 Min., ab 12 J., R: Aaron Sorkin, D: Jessica Chastain, Idris Elba, Kevin Costner, Michael Cera, täglich im Cinemaxx Dammtor, Studio; www.fox.de/mollys-game

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