Theater-Tipp

„Arsen und Spitzenhäubchen“: Da können Sie Gift drauf nehmen

Theaterkritiker und Neffe Mortimer (Uwe Bohm) scheint an seinen Tanten zu verzweiefeln. Die kriminellen alten Damen spielen Eva Mattes (l.) und Angela Winkler

Foto: dpa Picture-Alliance / Angelika Warmuth / picture alliance / dpa

Theaterkritiker und Neffe Mortimer (Uwe Bohm) scheint an seinen Tanten zu verzweiefeln. Die kriminellen alten Damen spielen Eva Mattes (l.) und Angela Winkler Foto: dpa Picture-Alliance / Angelika Warmuth / picture alliance / dpa

Ach, gab es je zwei reizendere Mörderinnen? Von Abby und Martha Brewster würde man sich wider besseren Wissens sofort zum Holunderwein einladen lassen. Nur das Trinken sollte man doch sicherheitshalber bleiben lassen. Denn die betagten ­Ladys würzen ihre Drinks gern mit ­Arsen, Strychnin und Zyankali.

Frank Capras Film aus dem Jahr 1944, in dem Cary Grant den Neffen der Brewster-Schwestern spielt, ist fraglos eine der berühmtesten Kino­komödien der Filmgeschichte. Dass die Story um die skurrile und mordlustige Familie Brewster aber auch auf der Theaterbühne hervorragend funktioniert, ist nur logisch: „Arsenic and Old Lace“ wurde am 10. Januar 1941 im Fulton Theatre am Broadway uraufgeführt und entwickelte sich zum Riesen-Hit mit 1444 Vorstellungen. Bevor der Film in die Kinos kam. Die Hamburger Bühnentauglichkeit beweisen von heute an wieder die Schauspielerinnen Angela Winkler und Eva Mattes im St. Pauli Theater mit Uwe Bohm, der als Theaterkritiker Mortimer bei seinen beiden nur scheinbar harmlosen Tantchen eine Leiche im Keller entdeckt.

Regisseur Ulrich Waller ist mit seiner Inszenierung ein Dauerbrenner ­gelungen, der auch in der zigten Wiederholung seit der Premiere Ende 2009 nicht schwächelt. Eigentlich sogar im Gegenteil: Wenn Mortimers Bruder Teddy (Gerhard Garbers), der sich für Präsident Theodore Roosevelt hält, ­regelmäßig laut auf seiner Trompete zum Angriff bläst, lacht man schon in Erwartung der Pointe. Und Teddy, der im Keller mit dem Ausheben des Panama-Kanals beschäftigt und dabei auch als Leichengräber recht nützlich ist, bleibt trotzdem nicht der durch­geknallteste Verwandte der Seniorinnen: Jonathan Brewster ist ein gesuchter Serien­mörder, den Christian Redl auf der Kiezbühne mit wahrhaft mordsmäßiger Visage spielt. Tolle ­Besetzung, unkaputtbares Stück.

„Arsen und Spitzenhäubchen“ Mi 3.-So 7.1., jeweils 19.30, So 18.00, St. Pauli Theater (S Reeperbahn), Spielbudenplatz 29/30, Tickets zu 18,90 bis 51,90 auch in der Abendblatt-Geschäftsstelle, Großer Burstah 18-32, T. 30 30 98 98; www.st-pauli-theater.de

© Hamburger Abendblatt 2018 – Alle Rechte vorbehalten.