Festival-Tipp

Dockville: 100 Bands sind heiß genug für die Insel

Foto: Fabien J. Raclet

Zehn Jahre ist es jetzt her, dass auf einer Industriebrache am Reiherstieg in Wilhelmsburg das erste MS Dockville Festival für Musik und Kunst stieg. Und weder die damaligen Veranstalter noch die 5000 Besucher der Premiere hätten sich träumen lassen, dass Dockville 2017 größer denn je ist und weit über 20.000 Fans aus ganz Europa anlockt.

Improvisation und Spontanität und auch ein gutes Stück charmante bis ärgerliche Unprofessionalität bestimmten die ersten Jahre. Das Dockville-Team bestand nicht aus Profis großer Festival-Veranstalter, vieles entstand durch Lernen beim Ausprobieren. Dazu kam die Internationale Bauausstellung, die Wilhelmsburg, die Veddel und damit auch das Dockville-Gelände rund um den Schlengendeich in den Jahren 2007 bis 2013 komplett umkrempelte. Was blieb, sind legendäre Momente wie die Deichkind-Bierdusche: 2008 verteilten Philipp, Porky und Ferris 1000 Halbliter-Dosen Bier in den Reihen, die bei „Bon Voyage“ kollektiv geschüttelt, aufgerissen und verspritzt wurden. Prost.

Neue bleibende Momente entstehen dieses Jahr vom 17. bis zum 20. August, bereits am Donnerstag rotieren die ersten DJs zum Aufwärmen, bevor am Freitag die große Hafenrundfahrt beginnt. Denn so in etwa kann ein Tag am Reiherstieg aussehen: Insgesamt sind ein Dutzend Bühnen – von den großen Hauptbühnen Grossschot, Vorschot und Maschinenraum bis zu DJ-Bretterverschlägen – im Grünen verteilt. Wo auch immer man sich hinbegibt oder hinverirrt, ist etwas zu sehen, zu hören oder zu fühlen, Musik vom Pult, Musik von Bands, kunstvolle Objekte, Dekors und Performance.

Seit Wochen haben internationale Künstler wieder unter dem Motto MS Artville das Gelände in eine wahre Open-Air-Galerie verwandelt. So gleicht kein Dockville dem anderen, obwohl der sogenannte Uferpark mittlerweile gut ausgebaut ist mit befestigten Wegen, Tribünen und Technik, die im Vorfeld schon bei den Festivals Spektrum, Daughterville oder Vogelball „geprüft“ wurden. Zusammen mit dem nahen Hafenalltag und den vorbeiziehenden Frachtern sorgen Schall, Licht und – bei gutem Wetter – Abendsonne – für verwunschene Stimmung.

Die 100 Bands und DJs der 11. Dockville-Ausgabe brauchen dann nur noch abernten. Headliner sind dieses Jahr der australische Electro-Entertainer Flume, der gerade einen Grammy für sein zweites Album „Skin“ eingesackt hat, sowie dessen Berliner Brüder im Geiste Moderat, die vor einer längeren Bandpause noch mal die Regler in Wilhelmsburg hochschieben. Dichtes Gedrängel wird auch bei den Kölner Rio-Reiser-Epigonen AnnenMayKantereit und dem Berliner Folk-Pop-Trio Mighty Oaks herrschen.

Glas Animals, Sohn, SSIO, Von Wegen Lisbeth, Roosevelt, LaBrasssBanda, Die Höchste Eisenbahn, Maxim, LGoony, Bukahara, Oum Shatt, Beach Fossils, Eden, Woman, L’Aupaire, Yung Hurn, Audio88 & Yassin, Rampue und Alex Vargas decken das ganze Feld zwischen Pop, Hip-Hop, Indie, Rock und Electro ab. Und wenn es regnet, wissen die Hamburger Punk-Jungs von Captain Planet: „Wasser kommt, Wasser geht“.

MS Dockville 2017 Do 17.8. bis So 20.8., Schlengendeich/Alte Schleuse (S Veddel + Shuttle),
Tagestickets Do 10,-, So 39,-; Tagestickets Fr, Sa und Kombitickets ausverkauft; www.msdockville.de