Literatur-Tipp

Ulrich Schacht liest aus „Notre Dame“ im Literaturhaus

Ulrich Schacht, hier  2015 auf der 67. Frankfurter Buchmesse

Ulrich Schacht, hier 2015 auf der 67. Frankfurter Buchmesse

Foto: dpa Picture-Alliance / Frank May / picture alliance / Frank May

Das Mauerfall-Jahr 1989, endete im gleichen Schwebezustand, in dem auch das Nachwende-Jahr 1990 begann. Die friedliche Revolution des Volkes hatte den Zerfall der DDR sowie die Auflösung der Sowjetunion besiegelt und damit den Beginn einer neuen und doch ungewissen Zeit eingeläutet. Politische Turbulenzen und gesellschaftliche Spannungen bestimmten den Beginn des neuen Jahrzehnts.

Die Auf- und Umbruchstimmung der Nachwendezeit hat Schriftsteller Ulrich Schacht nun in seinem autobiografischen Roman „Notre Dame“ aufgegriffen und zu einer Liebesgeschichte verarbeitet. Heute Abend liest er im Literaturhaus aus seinem aktuellen Buch. Rainer Moritz moderiert.

Sein Leben lang hat Torben Berg den Fall der Mauer herbeigesehnt – für den Widerstand gegen das sozialistische Regime sogar eine Freiheitsstrafe verbüßt. Mitte der 70er Jahre kauft ihn die BRD frei – er zieht mit Frau und Tochter nach Hamburg und arbeitet dort als Journalist. Dann fällt die Mauer und Berg wird nach Leipzig geschickt, um über das Konzert Wolf Biermanns zu berichten. Während des Besuches lernt er die junge Studentin Henrike Stein kennen. Beide verlieben sich und so beginnt eine stürmische und zugleich verhängnisvolle Liebe, die auf einer Reise nach Paris ihren Gipfelpunkt erreicht.

Wer die Biografie Ulrich Schachts kennt, wird einige Parallelen zwischen ihm und Protagonist Torben Berg entdecken können. Wie Schacht wird auch Berg, wegen der Verhaftung seiner Mutter im Gefängnis geboren und sitzt, ebenso wie der Autor selbst, mehrere Jahre wegen „staatsfeinlicher Hetze“ in Haft – wird nach drei Jahren freigekauft. Als Journalist arbeitete Schacht für „Die Welt“ und lebte mit seiner Familie in Hamburg. Inzwischen ist er in Schweden ansässig.

In anspruchsvoller Sprache im Stil des Bewusstseinsstromes, den auch James Joyce, Leo Tolstoi und Virginia Woolf in ihren Werken nutzten, erzählt Schacht die eingängige Liebesgeschichte und erlaubt dem Leser einen Einblick in Torben Bergs komplexe Gedankenwelt. Auf diese Weise entsteht, wie Kritiker und Schriftsteller Lutz Seiler es nannte, ein „Seelendokument“, das nicht nur die Gedanken Torben Bergs, sondern auch den Zeitgeist der nachwendezeitlichen Gesellschaft in Deutschland widerspiegelt.

Ulrich Schacht liest „Notre Dame“ Di 28.2., 19.30, Literaturhaus (U Uhlandstraße), Schwanenwik 38, Eintritt 10,-/erm. 6,-; www.literaturhaus-hamburg.de