Literatur-Tipp

„Ziegel“-Lesung: Die literarischen Beobachter der Stadt

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Stevan Paul hat zwei Leidenschaften: das Kochen und die Literatur. Letztere betreibt er so ernsthaft, dass er nicht nur Kochbücher (etwa im Gespann mit Tim Mälzer) veröffentlicht, sondern auch Belletristik. Zwei Erzählungsbände hat Paul, Jahrgang 1969, bereits geschrieben. Jetzt folgt sein erster Roman: „Der große Glander“ erscheint im September im Hamburger Mairisch-Verlag.

Wer schon einmal einen Eindruck gewinnen will von Pauls Romanerstling, der von einem enigmatischen Food-Künstler handelt, sollte am Sonntagnachmittag in die HafenCity kommen. Dort liest Stevan Paul im Rahmen der dritten und letzten „Ziegel“-Lesung der Saison aus seinem Buch, das nicht nur für Kulinariker interessant sein dürfte, sondern auch für Freunde der gepflegten Spannungsliteratur, die den Bogen von Hamburg nach New York schlägt und vor allem auf guter Beobachtung beruht. Kunst und Kochen – hier steckt alles drin.

Neben Paul stellt auch Catharina Junk ihren Debütroman vor. Die Hamburgerin, 1973 in Bremen geboren, erhielt 2014 den Hamburger Förderpreis für Literatur. Aus der damals eingereichten Arbeit, einer Art Rohversion, entstand der Roman „Auf Null“, der nun bei Kindler erscheint.

In ihm erzählt Junk die Geschichte einer jungen Frau, die an Krebs erkrankt und nach der Heilung ein anderes Leben lebt als zuvor. Vertrauen aufbauen, dass man gesund bleibt; außerdem neue Freunde finden, weil mit den alten irgendwie alles anders geworden ist – das sind nur zwei der Dinge, die nun erledigt werden müssen. Da wäre auch noch die Liebe, die bei der Operation „Lebensmut“ eine gewisse Rolle spielt. Die Heldin, Nina mit Namen, lernt Erik kennen, der sie alles aus einer von den Hormonen veränderten Perspektive betrachten lässt. Junk, die seit 2008 als Drehbuchautorin fürs Fernsehen arbeitet, schreibt eine frische Prosa, die auf gelegentliche Komik nicht verzichtet: Dem Thema Krankheit kann man auch mit Witz begegnen.

Mirko Bonné, der dritte Hamburger im Bunde, ist bekanntlich vor allem Lyriker und hat trotzdem von der Kritik hochgelobte Romane geschrieben. „Nie mehr Nacht“ stand 2013 auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises. Zuletzt erschien von Bonné 2015 sein Erzählungsband „Feuerland“, der seinen suggestiven Stil wieder zur vollen Entfaltung bringt.

Als Ehrengast ist nach Tilman Rammstedt und Horst Evers bei den beiden vergangenen Ausgaben am 21.8. nun Jakob Hein, auch er aus Berlin, eingeladen. Heins pointierte Kleinprosa, die den Alltag aufspießt, eignet sich hervorragend für das Hamburger Leseformat. Sein Auftritt beschließt die „Ziegel“-Saison 2016. Der „Ziegel“ – für alle, die es nicht wissen – ist der Name des verdienstvollen Hamburger Jahrbuchs für Literatur, das mit seinen vielen Autoren für Live-Auftritte allemal gut ist.

Lesebühne „Hamburger Ziegel“ So 21.8., 18.00, HafenCity/Magellan-Terrassen
(Bus 6, 111) Eintritt frei; www.hafencity.com