Film-Tipp

„El Viaje“: Ein Hamburger Punk reist zu seinen Wurzeln

Foto: mindjazz pictures

Er sei Bassist einer Punkband, erzählt der nicht mehr ganz junge Mann in Lederjacke. Ob man davon leben könne, wird er gefragt. Er habe ein paar sehr gute Jahre gehabt, lautet die Antwort. Bei dem Mann in Leder handelt es sich um Rodrigo González, Bassist der deutschen Band Die Ärzte. Er ist in Chile geboren. 1973, nach Pinochets Putsch, flohen seine Eltern mit ihm nach Hamburg. Dort beschriftete er als Kind Kassetten, die sein Vater von tourenden Exilmusikern aufnahm. Der Nueva Cancion Chilena, die von Víctor Jara inspirierte Bewegung einer neuen chilenischen Volksmusik, wurde zum Emblem des Protests in ganz Lateinamerika.

Heute dürften nur noch wenige wissen, wer Jara war. In einem vielversprechenden Auftakt lässt sich González dessen Bedeutung zu Beginn von „El Viaje“ erklären: Jaras Wirkung war so groß, dass ihn Pinochets Schergen mit mehr als 40 Schüssen erledigen mussten. Später besucht Gonzalez das inzwischen nach Jara benannte Stadium in Santiago, in dem der Sänger mit Tausenden anderen gefoltert wurde. Eigentlich müsste das ein bewegender Moment sein. Aber er reiht sich unaufgeregt ein in all die anderen unaufgeregten Momente, in de­nen González sich bei der „Rückkehr“ filmen lässt.

Die spannende Grundidee, dass ein deutscher Punkmusiker Entwicklungen im Chile von heute nachgeht, verläppert sich im allzu entspannten Gestus, den der Film einnimmt.

„El Viaje“ D 2016, 93 Min., o. A., R: Nahuel Lopez, D: Rodrigo Gonzalez, täglich im Abaton; mindjazz-pictures.de/project/elviaje