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Destroyer: Fantastischer Indie-Rock aus Kanada

Daniel Bejar ist der Kopf von Destroyer

Daniel Bejar ist der Kopf von Destroyer

Foto: Fabiola Carranza

Wo ist einem Daniel Bejar, dieser wunderbare Songwriter und wunderbar schräge Sänger, eigentlich das erste Mal begegnet? Wird wohl beim Lauschen einer New-Pornographers-Platte gewesen sein, jener kanadischen Indie-Supergroup, in der unter anderem auch Carl Newman und Neko Case spielen. Und was sie spielen, ist gitarrengetriebener Powerpop, der die Melodienseligkeit der Beatles mit dem Druck des Rocks verbindet. Und zwar auf jedem Album.

Das ist nicht unwichtig zu erwähnen, weil sich dies bei Destroyer, der Hauptband Daniel Bejars, komplett anders verhält. Mit Destroyer, der Mitte der Neunzigerjahre gegründeten Vancouver-Gruppe, mixt Bejar die Sounds ordentlich: Was den Einflüssen aus Indie-Rock, Kammerpop, Soul, Songwriterpop und Synthiemusik einen Rahmen gibt, ist zum einen Bejars einprägsame Stimme, die manch einer anstrengend finden könnte. Was sie natürlich nicht ist: Sie ist quengelig und kräftig. Wäre Bejar der Privatdozent, nach dem er phänomenologisch aussieht, sein Organ durchdränge leicht jedes Dauergetuschel in großen Vorlesungssälen. Zum anderen sind da die meist abstrakten, lyrischen Songtexte, auf die man sich nicht immer einen Reim machen kann. Genau das macht sie ja interessant. Die Fangemeinde Destroyers weiß schon immer, dass der an Metalbands gemahnende Bandname nichts als Lug und Trug ist. Überrascht war sie allerdings, als Bejar auf dem vorletzten Album „Kaputt“ plötzlich das Softporno-Saxofon auspackte. Was aber nicht alles war, „Kaputt“ ist bislang die mondänste und lässigste Platte des Jahrzehnts.

Aber wer dachte, dass Bejar und seine Mitstreiter, die die Songs von „Kaputt“ damals auch im Uebel & Gefährlich vorstellten, nun wieder auf softe Rhythmen und Klangflächen setzen würden, sah sich getäuscht – immerhin das Saxofon blieb indes erhalten.

Nein, „Poison Season“, das aktuelle Album, ist im Gegenteil ein kraftstrotzendes und reichhaltig instrumentiertes, superbes Werk. „Dream Lover“ zum Beispiel ist ein an Springsteens E-Street-Band erinnerndes Stück, ein Hit für all diejenigen, die den vollen Sound einer befreit aufspielenden Combo schätzen.

„Poison Season“ ist darüber hinaus ein New-York-Album, auf dem Bejar, der aus Vancouver stammt, bereits im Verlaufe seiner Jugend oft umzog und später auch einige Zeit in Spanien lebte, die Eindrücke aus seiner Wahlheimat verarbeitet. Den Times Square besingen gleich drei Songs, ein anderer heißt „Bangkok“, und alle Lieder zitieren Bowie, Reed, die Siebziger und die Achtziger. Groß.

Destroyer Mi 29.6., 21.00, Knust (U Feldstraße), Neuer Kamp 30. Karten zu 19,90 im Vorverkauf; www.mergerecords.com/destroyer