Ausstellungs-Tipp

„Kriegsschauplatz Ostafrika“: Der kleine Mann im Krieg

Dieses Foto zeigt den deutschen Kolonialbeamten Carl Lindemann aus Bergedorf in der Pose des europäischen Großwildjägers

Dieses Foto zeigt den deutschen Kolonialbeamten Carl Lindemann aus Bergedorf in der Pose des europäischen Großwildjägers

Foto: Sammlung Ulrike Badstuber

War es das große Abenteuer, das den jungen Mann aus Bergedorf ins ferne Ostafrika gelockt hat? Was veranlasste Carl Lindemann, seine Heimatstadt zu verlassen, um in Deutsch-Ostafrika für die Kolonialverwaltung tätig zu werden? Antworten darauf finden sich in Lindemanns umfangreichen Nachlass, den das Museum für Bergedorf und die Vierlande als Quelle für eine Ausstellung nutzt, die ein wenig bekanntes historisches Thema darstellt. „Kriegsschauplatz Ostafrika. Ein Bergedorfer im Ersten Weltkrieg“ heißt die Schau im Bergedorfer Schloss, in dem Lindemanns gut dokumentiertes Schicksal den Ausgangspunkt für die Geschichte des Ersten Weltkriegs in Afrika bildet.

Dort kämpften etwa 12.000 einheimische Soldaten unter dem Befehl europäischer Offiziere für die Interessen eines fernen Landes, das ihre Heimat in Besitz genommen hatte. Carl Lindemann, der mit Frau und Tochter in der nach deutschem Vorbild komplett umgestalteten Hafenstadt Tanga im heutigen Tansania lebte, wurde eingezogen und kämpfte unter dem Kommando von General Lettow-Vorbeck. Aber er hatte Glück, geriet in britische Kriegsgefangenschaft und konnte 1920 nach Bergedorf zurückkehren. Seine kleine Familie, die von den Engländern interniert worden war, kam bereits 1919 nach Deutschland zurück.

Großen Raum in der Ausstellung nehmen die persönlichen Erinnerung von Lindemann ein, der während seines Afrika-Aufenthalts viel gezeichnet und fotografiert hat. Wie sich das Schicksal eines Einzelnen in das politische Geschehen dieser Zeit einfügt, ist ebenso Thema der Ausstellung wie die Frage nach dem Umgang mit dem kolonialen Erbe. Erst 2014 hatte die Bürgerschaft die Universität Hamburg beauftragt, mit der Aufarbeitung der Kolonialgeschichte die Grundlagen für ein Konzept zu erstellen, das für die Erinnerung an dieses Kapitel der deutschen Geschichte einen angemessenen Rahmen bilden kann.

„Kriegsschauplatz Ostafrika. Ein Bergedorfer im Ersten Weltkrieg“ Di 17.11. 10 bis 17 Uhr, Schloss Bergedorf, Bergedorfer Schlossstraße 4, Eintritt 5, ermäßigt 3,50 Euro; die Ausstellung ist bis 30.6. 2016, dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr zu sehen