Theater-Tipp

Mona Kraushaar inszeniert „Der Sturm“ im ED Theater

Michael Gempart, Frank Auerbach, Jonas Anders, Felix Lohrengel und Claudiu Mark Draghici (v.l.) in „Der Sturm“

Michael Gempart, Frank Auerbach, Jonas Anders, Felix Lohrengel und Claudiu Mark Draghici (v.l.) in „Der Sturm“

Foto: Oliver Fantitsch

Shakespeare kann sie. Für die Inszenierungen von „Romeo und Julia“ am Berliner Ensemble und für „Maß für Maß“ in Innsbruck wurde sie mit Lob überschüttet, für „Was ihr wollt“ erhielt Mona Kraushaar im vergangenen Jahr den Rolf-Mares-Preis. „Aber es ist jedes Mal eine neue Herausforderung und jedes Mal denkt man, es klappt nicht“, sagt sie mit der Theaterleuten eigenen Vorsicht.

Nach dem Erfolg von „Was ihr wollt“ vor zwei Jahren am Ernst Deutsch Theater wollte Intendantin Isabella Vértes-Schütter von der in Berlin lebenden Regisseurin den nächsten Shakespeare für ihr Haus. Die Wahl fiel auf die Romanze „Der Sturm“, 1611 uraufgeführt und das letzte Werk des 1616 gestorbenen Dramatikers. „Das Stück hat mich schon immer interessiert, weil es noch eine Drehung mehr hat als die meisten Shakespeare-Stücke“, begründet Mona Kraushaar die Auswahl.

Drei Ebenen sieht Kraushaar in der Geschichte um den auf einer Insel gestrandeten Zauberer Prospero und seine Tochter Miranda. „Es gibt die behauptete Realität der Insel, die Geister- und Feenwelt um den Luftgeist Ariel und die konkrete Bühnensituation“, erläutert die 43 Jahre alte Regisseurin.

„Mir ist wichtig, dass die Ebenen gleichberechtigt in ihrer Widersprüchlichkeit belassen werden. Man kann aus dem ,Sturm’ auch ein Zaubermärchen machen, aber das liegt nicht in meinem Interesse“, erklärt Mona Kraushaar ihren Ansatz.

In dem Nebeneinander der verschiedenen Ebenen sieht die Regisseurin die größte Schwierigkeit der Inszenierung. „Der Handlungsverlauf ist nicht stringent. Das Geschehen wird von Prospero mit seinen Zaubermitteln gestaltet und nicht von mir“, meint sie. Bei Shakespeare ist die ganze Welt eine Bühne, in keinem anderem seiner Werke hat er das so deutlich gezeigt wie in „Der Sturm“. „Shakespeare verlangt ausdrücklich den Einsatz von Theatermitteln“, sagt Kraushaar. Immer wieder wird die Illusion mit harter Realität konfrontiert.

Für die Regisseurin ist Prospero das Alter Ego des Dramatikers aus Stratford-upon-Avon: „Es ist Shakespeares letztes Stück gewesen. Der Schlussmonolog von Prospero, in dem er Abschied von seinen Feen nimmt und sein Zauberbuch begraben will, deutet darauf hin.“

Prospero, früher einmal Herzog von Mailand gewesen und dann von seinem Bruder Antonio entmachtet und vertrieben, steht im Mittelpunkt des gesamten Treibens. Vor eineinhalb Jahren verkörperte der schwergewichtige Josef Ostendorf den Prospero im Deutschen Schauspielhaus, im Ernst-Deutsch-Theater spielt Frank Röder diese zentrale Rolle.

Er wird sie als lebendiger Spielmeister seiner Figuren interpretieren und damit völlig anders als Ostendorf. Der saß auf der Bühne im Bademantel in einem Rollstuhl und erinnerte fast an eine Beckett-Figur.

„Es wird Szenen geben, in denen das Publikum in die Spielvorgänge mit einbezogen wird. Prospero wird auch immer wieder Szenen kommentieren“, verrät die Regisseurin über ihre Arbeit.

„Der Sturm“ Premiere Do 15.10., 19.30 Uhr, Ernst Deutsch Theater, Friedrich-Schütter-Platz 1, Karten ab 20 Euro unter T. 22 70 14 20