Kino-Tipp

„Dating Queen“ ist eine satirische Liebesklamotte

Mit Spaß an der schnellen Nummer: „Dating Queen“ Amy (Amy Schumer) und Aaron (Bill Hader)

Mit Spaß an der schnellen Nummer: „Dating Queen“ Amy (Amy Schumer) und Aaron (Bill Hader)

Foto: Universal Pictures / dpa

Blonde Haare, blaue Augen und häufig hammerharte Witze über Sex: Das ist Amy Schumer. Die Röcke ein bisschen zu kurz, der Ausschnitt tief und zugleich das neue Gesicht des Feminismus in den USA – die New Yorker Komödiantin lässt sich nicht so einfach in eine Schublade stecken. Dieser Stempel ist der einer selbstbewussten Powerfrau auf dem Höhepunkt des Erfolgs.

In Deutschland noch ein Geheimtipp, feiern ihre US-Fans Amy Schumer als Star, der im Internet ebenso wie in der Comedy-Serie „Inside Amy Schumer“ beim Sender Comedy Central Beziehungsfragen und Rollenklischees mit Humor aufspießt. 2015 scheint nun ihr Jahr zu werden. Fürs Magazin „Time“ gehört sie zu den 100 einflussreichsten Menschen. Im Sommer lächelte sie von den Covern gleich zweier US-Blätter: In der Frauenzeitschrift „Glamour“ präsentierte sie sich im babyblauen Kleid, im Männermagazin „GQ“ in sexy Posen mit „Star Wars“-Figuren wie R2-D2.

Zugleich lief „Dating Queen“ (Original: „Trainwreck“) an, eine romantisch-satirische Liebesklamotte, die jetzt auch in Deutschland in den Kinos startet. In dem Film geht es um gescheiterte Diäten, Licht oder kein Licht beim Sex, Kindererziehung oder eine Prinzessin, die bei der Wahl des Prinzen in Schwierigkeiten gerät.

Mal spielt Amy Schumer sich selbst, dann wieder mimt sie Anti-Figuren: etwa wenn sie sich die Missbrauchsvorwürfe gegen den Komiker Bill Cosby vornimmt. In einer fiktiven Szene vor Gericht parodiert sie dessen Verteidigerin. Mit einem Appell, dass doch alle lustige Shows liebten; mit Geschenken will sie die Geschworenen auf ihre Seite ziehen. Zum Dank lässt Cosby ihr Champagner schicken, den sie wegkippt aus Angst vor Drogen darin.

Das Spiel mit eigenen Erfahrungen und fremden Rollen, das Springen zwischen Biografischem und Fiktion gehört zu Schumers Stärken. Das gilt auch für den von ihr geschriebenen Film „Dating Queen“. Dessen Hauptfigur ist eine Journalistin mit vielen One-Night-Stands, die sich plötzlich verliebt. Sie heißt: Amy. Gespielt von Amy Schumer.

Im Film tritt zudem eine Schwester auf. Die echte Schwester, Kim Caramele, arbeitet mit Schumer bei Texten und Produktion zusammen. Wie in der Realität ist der Kino-Vater an Multipler Sklerose erkrankt.

Außerdem schart sie hier wie dort Freunde um sich: etwa die britische Oscar-Gewinnerin Tilda Swinton. „Ich fühle mich am glücklichsten, wenn ich mit Freunden zusammen bin und wenn ich richtig hart arbeite“, erzählt Schumer in der „Glamour“. Umso betroffener zeigte sich die 34-Jährige, als es während ihres Films im Bundesstaat Louisiana zu einem Amoklauf kam. „Ich bin stinksauer, dass es zu dieser Frage bei uns politisch keinen Fortschritt gibt“, sagt sie. Als Folge unterstützt sie den Ruf nach schärferen Waffengesetzen des New Yorker Senators Chuck Schumer, mit dem sie verwandt ist.

Ihre ursprünglich wohlhabende Familie mit den zwei Mädchen und einem Bruder, so hat sie oft erzählt, sei durch die Krankheit des Vaters verarmt und in die Krise geraten. Beruflich boxte sie sich seit dem Theaterstudium in den vergangenen zehn Jahren mit Bühnenshows, Fernsehauftritten und beim Film hoch.

Dass sie mit ihrem teils derben Humor zu einer Feminismus-Ikone wurde, habe sie überrascht. Einige Kritiker finden ihre Witze flach, ihr Programm auf eine weiße Mittelschicht zugeschnitten. „Ich strenge mich nicht an, um feministisch zu sein. Ich bin es einfach“, sagt sie. Was sie meint: Sie will Frauen zum Nachdenken über sich bringen,: „Ich möchte, dass sie sich gut fühlen in ihrer Haut. Ich möchte sie stärken, ihre Stimme zu erheben und sich nicht zu entschuldigen.“ Auch nicht für kurze Röcke.

Dating Queen USA 2015, 125 Minuten, ab 12 Jahren, Regie: Judd Apatow, Darsteller: Amy Schumer, Brie Larson, Bill Hader, täglich im Cinemaxx Dammtor, Harburg und Wandsbek, UCI Mundsburg, Othmarschen-Park und Wandsbek