Comedy-Tipp

„Entführung aus dem Paradies“: Künstler im Kellerknast

Im Schmidtchen feiert mit „Entführung aus dem Paradies“ die erste Eigenproduktion ihre Uraufführung

Im Schmidtchen feiert mit „Entführung aus dem Paradies“ die erste Eigenproduktion ihre Uraufführung

Foto: Ingo Boelter

Als das Schmidtchen, der charmante Neuzugang der Schmidt-Theaterfamilie am Spielbudenplatz, vor wenigen Wochen mit einer bunten Gala eröffnet wurde, steckte die erste Uraufführung des Hauses eigentlich noch mitten in der beginnenden Probenphase. Und trotzdem konnten die Eröffnungsgäste bereits während eines kurzen Ausschnitts der Eigenproduktion „Entführung aus dem Paradies“ erahnen, welch lustvolle Energie dahintersteckt: Das bewährte Darsteller- und Produktionsteam der Erfolgsarbeit „Oh Alpenglühn!“ hat sich erneut zusammengefunden, um eine musikalische Komödie auf die Bühne zu bringen.

Carolin Fortenbacher und Nik Breidenbach sind die entführten und unfreiwillig gemeinsam eingesperrten Winona Westwood, Pop-Diva, und Peter von Pattnach, Stylist. Die Story um das ungleiche Paar stammt aus der Feder von Mirko Bott, Programmchef von Schmidt Theater, Schmidts Tivoli und Schmidtchen, die Regie hat – ebenfalls wie schon in „Oh Alpenglühn!“ – Hausherr Corny Littmann übernommen. Dass Breidenbach und Fortenbacher nicht nur singen, sondern auch außerordentlich komisch sein können, haben die beiden nicht erst zur Schmidtchen-Eröffnung (da allerdings direkt mit Tina Turners Mähnenschüttelkracher „You’re Simply The Best“!) eindrucksvoll bewiesen. Hier dürfen sie wieder abendfüllend und nach Herzenlust zicken, scherzen und tanzen.

Die Konstellation – zwei Eingesperrte, ein Schoßhündchen und eine Dose Ravioli, die allesamt ausgerechnet im Kostümkeller des einstigen Schlagersternchens aufeinandertreffen – dient vor allem der Konfliktfreudigkeit: Winona Westwood müsste eigentlich ihr neues Album bewerben, Peter von Pattnach würde so gern einmal die echten Westwood-Strähnen frisieren anstatt immer nur deren Perücken. So hat jeder sein Päckchen zu tragen (und angemessen hysterisch zu besingen).

Die Chemie zwischen Fortenbacher und Breidenbach stimmt jedenfalls, hier treffen zwei Bühnenkünstler aufeinander, die sowohl Rampensäue sind als auch dem Partner Raum geben. Und apropos Raum: Den gilt es natürlich auch zu entdecken. Das neue Schmidtchen geht mit seinen unverputzen Backsteinwänden und dem Parkett, das an ein ungefülltes Schwimmbad erinnert, glatt als ein Comedy-Club nach New Yorker Vorbild durch.

„Entführung aus dem Paradies“ Uraufführung Do 9.7., 20.00, bis 29.8., Schmidtchen, Spielbudenplatz 27–28 (Anreise hier), Karten zu 23,10 bis 45,10 unter T. 30 30 98 98