Kino-Tipp

„Kiss The Cook“: Wie das Leben so schmeckt

So schmeckt das Leben: Regisseur, Autor und Hauptdarsteller Jon Favreau in „Kiss The Cook“

So schmeckt das Leben: Regisseur, Autor und Hauptdarsteller Jon Favreau in „Kiss The Cook“

Foto: Merrick Morton

Schnell macht dieser rasante Mix aus Roadmovie und Food-Porn-Brutzelfilm klar, dass man ihm getrost sein Leben anvertrauen kann. Wir sehen Regisseur, Autor und Hauptdarsteller Jon Favreau als Carl Casper, einen leicht übergewichtigen Chefkoch, wie er seinen zehnjährigen Sohn Percy (Emjay Anthony) zum Einkaufen von frischen Lebensmitteln mitnimmt. Nur für den Job, kein Ausflug zum Futtern, betont Papa. Schnitt. Man mampft sich durch die Marktstände. Hingebungsvoll, maßlos. Ein erster Sieg der Lust über die Pflicht.

Diese Pflichtvergessenheit wird im Verlauf der Geschichte zur Genesung führen. Und zum Wiederfinden der höheren Pflicht, zu tun, was man wirklich will, um dabei „Menschen zu berühren“. Genau das wollte vielleicht auch einmal der nur noch säuerlich dreinblickende Gastro-Kritiker (Oliver Platt): Der verreißt in seinem Blog Caspers Künste, nachdem Casper nicht so kochen durfte, wie er hätte wollen, weil sein Boss (Dustin Hoffman) ihn daran hinderte. Einen zum YouTube-Mem avancierenden Wutanfall später erfindet sich Casper neu – als Imbisskoch im alten Food Truck. Mit seinem ebenso twitternden wie zupackenden Söhnchen tuckert er von Florida nach Los Angeles. Jedem Ort wird dabei auf fast dokumentarische, luftige, auch musikalisch stimmige Art ein eigener Rhythmus zugestanden.

Favreau selbst bewegt sich hier weg vom aufwendig zubereiteten Action-Kino („Iron Man“) zurück zu seinen Independent-Kinoanfängen („Swingers“, 1996). „Kiss the Cook“ ist deshalb auch eine rotzige Hymne an die Kreativität. In einem der glückseligsten Momente (außer Scarlett Johanssons Pasta-Verführungsszene) bringt eine Bläser-Version von Marvin Gayes „Sexual Healing“ den alten Truck zum Vibrieren: Der Koch, selbst so tapsig schwer wie eine Tuba, schmettert lauthals mit, sein Söhnchen lächelt kopfschüttelnd in sich hinein. Leben ist Eros, darf es sein.

Was die beiden Generationen hier miteinander verbindet, ist nicht nur die Liebe zum Essen. Beide sind virtuos im Zerhacken und neu Zusammenfügen von dem, was das Leben so hergibt. Zum Befremden des Vaters filmt Percy täglich eine Sekunde, und aus den Schnipseln wird am Ende ein kleines, kostbares Erinnerungsvideo entstehen. Essen, Bilder und Tweets: Sie alle haben das Zeug dazu, Fragmente einer Sprache der Liebe zu sein. Weshalb die Sache sogar noch für den miesepetrigen Kritiker gut ausgehen könnte.

„Kiss The Cook“ USA 2014, 114 Min., ab 6 J., R: Jon Favreau, D: Jon Favreau, Scarlett Johannson, täglich im Blankeneser (auch OmU), Koralle, Passage, Savoy (OF), UCI Mundsburg

© Hamburger Abendblatt 2018 – Alle Rechte vorbehalten.