Theater-Tipp

Viel Theater beim 7. Elbinsel-Gipsy-Festival

Stehen im Herzen von Hamburg: Christiane Richers (l.) und Gesche Roth vom Theater am Strom mit jungen Mitwirkenden der Elbinsel Schule aus Wilhelmsburg

Stehen im Herzen von Hamburg: Christiane Richers (l.) und Gesche Roth vom Theater am Strom mit jungen Mitwirkenden der Elbinsel Schule aus Wilhelmsburg

Foto: Theater am Strom

Etwas gemeinsam auf die Beine, besser gesagt auf die Bühne zu stellen, ist immer ein ehrgeiziges Unterfangen. Vor allem in Zeiten, in denen Abgrenzung zwischen unterschiedlichen Volksgruppen leichter gesagt und getan ist, als Eingrenzung zu praktizieren.

Regisseurin Christiane Richers hat sich Letzteres zum Ziel gesetzt. Mit dem Theater am Strom – die Gruppe besteht schon seit 2002 – hat sie ein multimediales, generationenübergreifendes Projekt entwickelt, das sich aus der Sicht von Nicht-Sinti mit dem Leben der Sinti in der Hansestadt befasst. „Im Herzen von Hamburg“ erlebt beim 7. Elb­insel-Gipsy-Festival an diesem Freitag und Sonnabend im Bürgerhaus Wilhelmsburg seine Uraufführung.

Die wechselvolle Geschichte mitsamt der Verfolgung durch die Nazis und die Gegenwart der Sinti hat Richers in Dialog mit dem Stadtteil Wilhelmsburg gestellt. So sollen außer Täterbiografien auch einzelne Schicksale aus der Nachkriegszeit sowie der jüngeren Gegenwart sichtbar werden. Verwoben mit einem Sinti-Märchen, Filmszenen von zentralen Orten Hamburgs, Live-Musik des renommierten Saxofonisten Kako Weiss (Cafe Royal Salon Orchester) und ironischen Untertönen über die ewigen Vorurteile, möchte das Theater am Strom auch etwas anstoßen, neue theatrale und gesellschaftsübergreifende Bewegungen etwa.

„‚Was für ein Verhältnis hatte unsere Stadt in der Vergangenheit zu den hier seit Jahrhunderten lebenden Sinti-Familien?‘, fragte sich Regisseurin Richers bei ihren Recherchen. Und: „‚Wie ist unsere Gegenwart davon geprägt?‘". Freude und Interesse an einem Austausch einerseits, Vorsicht und Misstrauen andererseits bis hin zu Abgrenzung begegnete der Theatermacherin. „Unser Wunsch ist es, mit dem Projekt einen weiteren Baustein zu liefern für direkte und vorurteilsfreie Begegnungen“, sagt sie.

50 Darsteller, unter ihnen semiprofessionelle Schauspieler, aber auch Schüler und Lehrer der Helmut-Schmidt-Gymnasium, der Elbinsel-Schule und dem Regionalen Bildungszentrum wirken mit. Weiss sieht „Im Herzen von Hamburg“ als „eine Art Startschuss und Inspiration für weitere künstlerische Zusammenarbeit“. Auch damit wäre etwas erreicht – die Wirkung auf die Zuschauer folgt ja noch.

„Im Herzen von Hamburg“ Uraufführung Fr 17.4., 11.00, (ausverk.) auch Sa 18.4., 18.00, Fr 12.6., 17.00, Bürgerhaus Wilhelmsburg, Mengestraße 20, Karten zu 8 Euro unter T. 752 01 70