Ballett-Tipp

Hallelujah! Der „Messias“ tanzt in der Staatsoper

„Messias“-Ballett von John Neumeier

„Messias“-Ballett von John Neumeier

Foto: Holger Badekow

Eine lange Schräge hat John Neumeier ins Zentrum seiner Bühne bauen lassen, die das Tanzen darauf nicht eben einfach macht und immer wieder das Gefühl für Balance herausfordert. Symbol für das Streben nach dem Göttlichen könnte sie sein, aber auch für die Schwierigkeit, gottgefällig zu leben.

Passend zum Osterfest tanzt die Compagnie des Hamburg Ballett gleich mehrmals den „Messias“, den John Neumeier im Jahr 1999 auf die Bühne der Hamburgischen Staatsoper brachte. Es spielen die Philharmoniker in Begleitung des Opernchors und diverser Solisten, zum Beispiel der Sopranistin Mélissa Petit. Neumeier hat das sakrale Ballett in neuer Besetzung, mit dem ­dynamisch-emotionsgeladenen Aleix Martínez in der Rolle des Jesus, wieder aufgenommen. Der Solist löst Lloyd Riggins ab, dem Neumeier die Rolle einst auf den Leib choreografiert hatte. Meistens sind die „Messias“-Vorstellungen schnell ausverkauft, aber für den Ostersonntag können Kurzentschlossene noch zu zwei unterschiedlichen Uhrzeiten Karten bekommen: für die Vorstellung um 14.30 und um 19 Uhr.

Zu der Zeit, als der Ballettchef den „Messias“ zu dem Oratorium Händels kreierte, war gerade Krieg im Kosovo, mitten in Europa. Auch diese Ein­drücke verarbeitete Neumeier in seinem Ballett, das zugleich stark durchrhythmisiert ist und sehr berührende, tiefe und auch dramatische Momente hat. Seine Tänzer und Tänzerinnen machen spürbar, dass sie selbst es sind, stellvertretend für alle Menschen, die sich zwischen Gut und Böse entscheiden müssen.

Händels Oratorium „handelt auch von den Leiden der ganzen Menschheit lange vor dem Erscheinen des Erlösers. Das ist eine unglaubliche Menge an biblischen Berichten und theologischen Gedanken“, sagt der Choreograf. Händels Musik hat Neumeier nicht von Anfang an als Ballettmusik empfunden: „Ich fand die Tempi damals immer so gleichbleibend und für Tanz nicht so geeignet.“ Aber dann hat er sich der Musik ausgesetzt, „ohne den Text zu reflektieren“. Neumeier tat, was Musik und Klang seinem Körper sagte, ganz unabhängig vom Inhalt des Textes. „Nach einiger Zeit kam es unterschwellig zu ganz dramatischen Situationen.“ Umrahmt hat der Choreograf sein Ballett mit zwei Stücken des estnischen Komponisten Arvo Pärt.

„Messias“ John Neumeiers Ballett So 5.4., 14.30 und 19.00, Do 9.4., 19.30, Hamburgische Staatsoper (U Stephansplatz), Dammtorstraße 28, Karten zu 5,- bis 98,- unter T. 35 68 68; www.hamburgische-staatsoper.de