Konzert-Tipp

Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen im Knust

Sie geben sich gern als Verlierer aus, die fünf Musiker der Liga der gewöhnlichen Gentlemen. Dabei sind sie eine der lustigsten Hamburger Combos, wenn nicht der ganzen Republik. Carsten Friedrichs und Tim Jürgens haben jahrelang bei Superpunk den Ton angegeben, vor zwei Jahren lösten sie die Band nach 16 Jahren auf, um sofort mit ein paar anderen Mitstreitern weiterzumachen. Über ein Label musste Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen sich auch keine Gedanken machen, denn mit Keyboarder und Saxofonist Gunther Buskies ist ein Musiker dabei, dem ein alteingesessenes Hamburger Label gehört, nämlich Tapete Records. Dort erschien schon 2012 das Debüt „Jeder auf Erden ist wunderschön“, in diesem Frühjahr folgte „Alle Ampeln auf gelb!“

Carsten Friedrichs hat wieder ein paar Songs geschrieben, in denen er dem bereits von Superpunk bekannten Loser-Image ein paar weitere Songperlen hinzufügt. Den Klassiker „The In-Crowd“ deutet er in „The Out-Crowd“ um, natürlich geht er „Alleine auf Partys“, komischer Höhepunkt des individuellen Versagens und des an den Stiefeln klebenden Pechs ist ein Lied mit dem eindeutigen Titel „Das Unglück bin ich“. „Hätte ich einen Hund, er würde mich beißen / Hätte ich eine Tochter, sie würde ausreißen / Hätte ich einen Job, ich würd’ ihn verlieren / Wohnte ich in den Tropen, ich würde erfrieren“ singt er in der für ihn typischen lakonischen Art.

Zusammen mit Buskies hat Jürgens seine Texte in schmissige Arrangements gepackt, die mit ihren Bläsern Northern Soul-Nummern zitieren. „The Out-Crowd“ ist eine richtige Ska-Nummern, andere Songs klingen wie Sixties-Surfrock mit Doo-Wop-Gesang. Die Gentlemen sind ziemlich Retro, aber das ist heutzutage ja eher ein Qualitätsmerkmal. Erinnerungen an die 60er-Jahre werden im Eröffnungssong „Kennst du Werner Enke?“ wach. Jüngeren Fans der Band wird der Name kaum etwas sagen. Wer damals Teenager war, wird sich mit Sicherheit an May Spils’ Komödien „Zur Sache, Schätzchen“ und „Nicht fummeln, Liebling“ erinnern. Das waren zwei Filme mit Uschi Glas und eben Werner Enke, der damals der coolste Sprücheklopfer seiner Generation war.

Wie sehr Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen in Hamburg verwurzelt ist, zeigen zwei andere Nummern. „Begrabt mich bei Planten un Blomen“ ist das schönste Hamburg-Lied, das in diesem Jahr herausgekommen ist. Es ist mindestens so mitsingbar wie Jan Delays „St. Pauli“, nur nicht so hochgejubelt. Im Titelsong erinnern die Gentlemen an Peter-Ernst Eiffe. Nein, das ist nicht der Namensgeber der Eiffestraße, sondern ein Politclown der APO in den 60er- und 70er-Jahren und sehr wahrscheinlich Deutschlands erster Graffiti-Sprayer, lange bevor Oz. jede Wand in Hamburg markierte.

Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen Sa 27.12., 21 Uhr, Knust, Neuer Kamp 30, Karten 13,60 Euro im Vorverkauf und an der Abendkasse