Man muss zeichnen und basteln können, braucht viel Fantasie und gute Ideen. Geneviève Wood durfte Christoph Cantzler, der gerade “Dragi Drache“ entwickelt hat, über die Schulter schauen

Es gibt ja so spannende Berufe. Die einen wollen vielleicht zur Reiterpolizei oder Tierarzt werden, andere finden Feuerwehrmänner ganz toll. Der Vater von Moritz und seiner kleinen Schwester Elinor rettet zwar keine Leben und schützt auch keine Menschen, dafür bringt er Kinder und Erwachsene zum Spielen. Und das ist ja mindestens genauso wichtig, und Spaß macht es sowieso. Christoph Cantzler denkt sich Spiele aus. Seine neueste Erfindung heißt "Dragi Drache". Da geht es darum, dass eine rote Kugel über dem Vulkan schwebt. Am Fuß des Vulkans leben Dragi und seine kleinen Drachenfreunde. Die Mitspieler veranstalten ein Wettpusten, um den Ball in die Felder mit passenden Drachenfruchtkärtchen zu pusten und sie einzusammeln.

Wie kommt Christoph Cantzler denn bloß auf solche Ideen? "Bei dem Spiel sollte etwas schweben, und es sollte etwas mit Geschicklichkeit zu tun haben", sagt er. Mehr wusste er am Anfang gar nicht. So eine Idee, die kann ihm morgens unter der Dusche kommen, beim Spielen mit seinen Kindern oder auch an seinem Schreibtisch in Eimsbüttel. Christoph Cantzler denkt sich vieles aus, aber er bekommt auch Hilfe von Anja Wrede. Die ist auch Spieleerfinderin, Erwachsene sagen eher Spieleautor. Anja Wrede und Christoph Cantzler arbeiten zusammen. Das ist wichtig zu erwähnen, sonst wäre es unfair. Denn Anja Wrede hat auch viele Einfälle. Außerdem kann sie toll zeichnen. Eigentlich wollte Christoph Cantzler Schriftsteller werden. Weil sein erstes Theaterstück aber nicht so gut ankam, machte er daraus ein Brettspiel. Dann hat er schnell gemerkt, dass er das besser kann.

Wenn Christoph Cantzler die ersten Ideen für ein neues Spiel hat, bastelt er erst mal einen Prototypen. Das ist das allererste Modell, meistens sehen Prototypen noch gar nicht aus wie das fertige Spiel, das es später im Laden zu kaufen gibt. Dafür hat Christoph Cantzler in seinem Büro bestimmt 16 Pappschachteln mit Spielfiguren, Würfeln, Farben, Holz, Knöpfen, Rädern, Spielkarten, Kabeln oder Pappe. Eine Säge und einen Schraubstock hat er auch in seinem Büro.

Christoph Cantzler ist ein ganz ordentlicher Mensch, das sieht man, weil er die Schachteln alle beschriftet hat. Wer Spiele erfindet, muss also gerne basteln. "Man muss sich für alles interessieren, auch für Technik, für Physik und Elektronik", sagt er. Christoph Cantzler ist jetzt 44 Jahre alt, und als er noch zur Grundschule ging, fand er Experimentierkästen toll. Meistens hat er sich gar nicht an die Beschreibungen gehalten, sondern seine eigenen Sachen gemacht. Das macht er jetzt als Spieleerfinder auch. Dinge nur nachzumachen findet er langweilig.

Wenn er die erste Version eines Spiels fertiggebastelt hat, dürfen Moritz, der ist sieben Jahre alt, und seine Schwester Elinor, die ist drei Jahre alt, die Erfindungen von ihrem Vater als Allererste ausprobieren. Für Moritz ist das schon so normal, dass er gar nicht immer unbedingt möchte. Elinor hat oft mehr Spaß daran. "Moritz ist sehr kritisch", sagt Christoph Cantzler. Aber er würde ihn niemals dazu zwingen, ein Spiel auszuprobieren.

"Dragi Drache fand er aber von Anfang an super. Elinor ist sowieso spielbegeistert." Außerdem bringt Christoph Cantzler seine Spiele mit in die Kita Kaifu, dort dürfen noch mehr Kindergarten- und Schulkinder testen. Einmal ging dabei der Prototyp von "Dragi Drache" fast in Flammen auf, weil der Föhn, den man für den Prototypen damals brauchte, zu heiß geworden war. Wenn Christoph Cantzler seine Spiele mit Kindern ausprobiert, dann ist das für ihn richtige Arbeit, weil er sich dabei notiert, was den Kindern gefällt, was nicht und wie sie reagieren oder ob die Regeln vielleicht zu kompliziert sind. Ganz wichtig ist bei einem neuen Kinderspiel übrigens, dass es auch den Erwachsenen gefällt. Das ist ja klar. Denn sonst haben Mütter und Väter, Onkel und Tanten ja nie Lust, mit den Kindern zu spielen.

Und, was macht ein gutes Kinderspiel aus? "Kinder müssen es von sich aus spielen wollen, sie sollten gleich loslegen wollen. Am besten ist, sie wollen es mir aus der Hand reißen", sagt er und lacht. Ein Spiel ist dann richtig gut, wenn Kinder es immer wieder spielen wollen. "Wenn Kinder ihre Spiele woanders mit hinnehmen wollen, zum Beispiel zu Freunden, dann ist das nicht mehr zu toppen und das größte Lob für ein Spiel."

Im Moment sind bei den Kindern 3-D-Spiele mit vielen Aktionen beliebt, bei denen also richtig viel los ist. So wie "Dragi Drache" eben oder "Riff Raff", das ist auch eines von den Spielen, die Christoph Cantzler mal erfunden hat. Mindestens 100 verschiedene Spiele gibt es mittlerweile von ihm. Das sind nicht immer Brettspiele, manche davon werden auch in Kinderzeitschriften wie zum Beispiel "Geolino" abgedruckt.