Ausstellungs-Tipp

Werke des Künstlers Kaeseberg sind am Ballindamm zu sehen

Der Künstler Kaeseberg im Längengrad 10 Kunstraum vor seinem Werk „kulturkritik (nietzsches grab)“. Die ausgestellten Papierarbeiten stehen jeweils zum Verkauf

Der Künstler Kaeseberg im Längengrad 10 Kunstraum vor seinem Werk „kulturkritik (nietzsches grab)“. Die ausgestellten Papierarbeiten stehen jeweils zum Verkauf

Foto: Maik Carstensen

Der Ausstellungsraum am Ballindamm ist klein, fällt wenig auf, obwohl eine breite Glasfront der Binnenalster zugewandt ist. Wer den Raum betritt, wird von einer Mischung aus unfertig und modern wirkendem Interior überrascht. In diese Umgebung scheinen sich die Exponate des Leipzigers Künstlers Kaeseberg perfekt einzufügen. Sie wirken zeitgemäß mit ihren Formen und Farben, haben aber gleichzeitig auch etwas Altertümliches an sich durch die blassen, rätselhaften Hintergründe und changieren zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit.

Kaeseberg bezeichnet sich nicht als Maler, obwohl ein erster flüchtiger Blick auf die Ausstellungsstücke diesen Eindruck erwecken mag. Der Künstler selbst sieht sich eher als Zeichner. Eines seiner Spezialgebiete ist die Arbeit mit Seidenpapier: Seine Bilder setzten sich aus mehreren semitransparenten Blättern der überaus dünnen Papiersorte zusammen. In jede Schicht hat Kaeseberg entweder einen Text, Skizzen oder Zeichen eingearbeitet, die am Ende als Grundlage für seine Bilder dienen. Darüber hat er farbintensive geometrische Formen, Ornamente oder auch mal Tiere gelegt. Der Leipziger widmet sich in seiner Ausstellung allerdings auch Skulpturen aus Kunstharz und LED-Installationen.

Als Künstler ist der 1954 geborene Kaeseberg ein Autodidakt. Ursprünglich begann er eine Ausbildung zum Mechaniker, übte diesen Beruf jedoch nie aus. Nur die Abbildungen von Schrauben und technischen Zeichnungen in seinen Werken erinnern manchmal daran. Überregionale Bekanntheit erlangte er gleich durch seine erste Ausstellung in Gerd Harry Lybkes Galerie „Eigen+Art“ in Leipzig. Danach präsentierte er seine Kunst unter anderem in der Neuen Nationalgalerie Berlin und dem Goethe-Institut Paris und London. Außer seiner Tätigkeit als Aussteller, erstellt Kaeseberg auch Kunstprojekte am Bau, darunter auch für die Deutsche Bank AG und Goldmann Sachs. Seiner Heimat ist der 54-Jährige dennoch treu geblieben – bis heute lebt und arbeitet er in Leipzig.

Kaeseberg: „Schönheit & Protest“ bis 11.5., montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr, Längengrad 10 Kunstraum bei Interpol+ Studios, Ballindamm 9, Eintritt frei