Kleine Fluchten: "Rackmers Hof" auf Föhr

Eine Oase mit Tradition

Foto: Bettina Laude

Alte Obstbäume, schmuckes Reetdach und friesischer Charme: Der "Rackmers Hof" auf Föhr ist pure Ferienidylle.

Halligschinken, Föhrer Ziegenkäse oder lieber Birnenkompott? Das Frühstücksbüfett im alten Kapitänshaus macht es den Gästen mit seiner Auswahl an Nordsee-Leckereien nicht leicht. "Probieren Sie doch mal das Birnenkompott", rät Inhaberin Marianne Roeloffs, die gerade mit frischem Kaffee hereinkommt. "Wir haben es aus den Früchten im Garten gemacht."

Sie tritt an die Sprossenfenster und zeigt auf die Birnbäume im weitläufigen Obstgarten, zwischen denen - locker verteilt - einige grün-weiß gestreifte Strandkörbe stehen. Das Erstaunliche: Obwohl auf "Rackmers Hof" vieles alt ist, wirkt nichts "olsch", sondern auf angenehme Weise zeitlos. Eine Wirkung, auf die Marianne Roeloffs stolz ist. Sie hat das Anwesen der Schwiegereltern nach ihren Ideen umbauen lassen und Rackmers (so der Spitzname des Großvaters) Hof neu erfunden.

Seit sieben Generationen sind Haus und Hof auf der Nordsee-Insel Föhr im Besitz der Familie. 1840 hat Peter Lütjens das Kapitänshaus mit Scheune im Dörfchen Oevenum gebaut. Seine Nachkommen nutzten es als Bauernhof. "Mein Großvater war aber nicht nur Landwirt, sondern auch Amtsvorsteher", erzählt Brar Roeloffs. Wo heute die Rezeption ist, war früher die Amtsstube. Nach dem Tod der Großeltern stellte sich die Frage: Verkaufen oder nicht? Marianne Roeloffs, die aus einer Gastronomiefamilie stammt, hatte eine Idee: Eine Mischung aus Ferienapartments und Hotel, aus Friesencharme und modernem Design sollte das Haus werden - etwas, das es bisland so noch nicht gab auf Föhr.

Die weißen Mauern mit den Rosenstöcken, dem Reetdach und den Holzfußböden blieben erhalten. In das alte Kapitänshaus zogen Rezeption, Hotelküche, Frühstücksraum und Café ein, ein großzügiger Saunabereich im Anbau folgte. Der Schweinestall wurde in vier nebeneinander liegende Suiten verwandelt, alle mit Terrasse und über zwei Ebenen. Dazu ließen die Roeloffs zwei weitere Häuser im selben Stil in den Obstgarten bauen. Darin befinden sich ebenfalls zweistöckige Suiten. Oben unterm Reetdach wird geschlafen, unten gekocht, gegessen, entspannt. Optisch kann man kaum unterscheiden, ob man sich im Alt- oder im Neubau aufhält. Die Holzdecken sind überall weiß lackiert, die Eingangstüren schwer, die Sprossenfenster werden nach alter norddeutscher Art mit kleinen Häkchen verschlossen. Die Möbel im modernen Design bilden einen angenehmen Kontrast.

Trotz der Erweiterung ist Rackmers Hof mit seinen elf Apartment-Suiten ein familiäres Haus. Nach dem Frühstück schlendern die Gäste durch den Garten zu ihren Terrassen zurück und setzen sich in die Morgensonne. Zwei Kinder flitzen quietschend durch den Garten, pflücken Äpfel und Quitten. Ansonsten hört man nur Vogelgezwitscher. Denn Oevenum ist ein wie verzaubert wirkendes Puppenstubendorf. Alte Backsteinhäuser in blühenden Bauerngärten, schmale Straßen, nur wenige Autos. Es gibt keine Restaurant- oder Boutiquenmeile, dafür einen Dorfkrug - vor allem aber viel Weite und Erholung pur.