Rittergut Nustrow in Mecklenburg

Unterm Magnolienbaum Geschichte erleben

Der Gast residiert in diesem Schloss wie einst der Adel - und spürt dabei das Flair der vergangenen Jahrhunderte.

Es ist immer wieder ein großes Vergnügen, in einem der herrschaftlichen Häuser Mecklenburgs für einige Tage zu wohnen. Was früher Königen, Fürsten und Adligen vorbehalten war, kann heute jeder erleben, zum Beispiel im Rittergut Nustrow. Zum ersten Mal wurde es 1381 erwähnt. Zunächst als feste Burg erbaut - die 1420 bei einer Fehde von Greifswaldern und Stralsundern Bürgern abgerissen wurde -, entstand Anfang des 16. Jahrhunderts der zweite Schlossbau. Christoph von Behr baute Nustrow zum Rittergut aus. 1799 erwarb es Karl Ernst von Schack. Sohn Ernst Peter übernahm es, ließ es bis auf einen Flügel abreißen, weil es in schlechtem Zustand war, und quer dazu ein neues Herrenhaus von dem bekannten Baumeister und Langhans-Schüler Carl Theodor Severin errichten, der in Doberan und Heiligendamm die schönsten Bauwerke hinterlassen hat. Charakteristisch sind die Strenge und Einfachheit der Fassade, die mit antiken Ornamenten sparsam dekoriert ist. Ein weiteres Kennzeichen sind die Lünettenfenster, wonach die oberen Zimmer heute benannt sind, von denen man einen schönen Blick auf den Park hat.

Diesen können Gäste in einem 20-minütigen Rundgang erkunden. Es lohnt sich sehr, unter dem alten Baumbestand zu wandeln und die herrliche Ruhe zu genießen. Dabei passiert man nicht nur die schöne Lindenallee und den größten Magnolienbaum Mecklenburgs, sondern auch den Findling, der an die düstere Stunde des 1. Mai 1945 erinnert, als sowjetische Soldaten die Großeltern des heutigen Besitzers und den Verwalter sowie dessen Tochter erschossen. Während der DDR-Zeit diente das Anwesen als Wohnhaus und wurde auch als Gemeindehaus genutzt. Der Enkel des letzten Gutsbesitzers, Dr. Klaus Prömmel, kehrte 1991 zurück, pachtete 800 Hektar Land und bewirtschaftet es seitdem. Die finanziellen Erträge hieraus werden heute in den Erhalt des Herrenhauses investiert, wie auch die Einnahmen aus der Vermietung der fünf Zimmer und neun Ferienwohnungen.

Der Arzt praktiziert in Buxtehude und kommt jedes Wochenende hierher, um nach dem Rechten zu schauen. Seit 1998 betreibt er das Herrenhaus als Hotel. Beim Betreten der Eingangshalle zieht einem der angenehme Geruch von verbranntem Holz in die Nase, denn fast alle Räume im Erdgeschoss werden noch heute durch Kamine beheizt. Die breiten Holzdielen und der mit Gotlandgranitplatten ausgelegte Fußboden sind original erhalten geblieben. Ebenso das Parkett, das zum Teil mit zweifarbigen Hölzern zu kunstvollen Mustern verlegt wurde. Mit viel Hingabe wurden das Damen- und Kaminzimmer restauriert, ebenso der Festsaal mit seiner imposanten Deckenmalerei, das früher den teuren Stuck ersetzen sollte. Die Zimmer und Suiten sind mit stilvollen Möbeln der jeweiligen Epochen ausgestattet, die Ferienwohnungen im ländlich modernen Stil gehalten und mit kompletter Küchenausstattung versehen, um sich bei einem längeren Aufenthalt selbst versorgen zu können.

Natürlich kann der Gast auch im Herrenhaus speisen und wahlweise Halbpension buchen. Die gutbürgerliche Küche ist mediterran verfeinert. Am Nachmittag kann man sich bei Kaffee und Kuchen im Garten verwöhnen lassen. Im Winter wird auch des Öfteren im Ritterkeller mit seiner rustikalen Einrichtung gefeiert. Vor allem in der Jagdsaison kehren die Jäger hier gern ein. Klaus Prömmel beteiligt sich gern daran. Und für den Gast gibt es zusätzlich die Möglichkeit, Reh- und Schwarzwild für eigene Zwecke käuflich zu erwerben.