Kleine Fluchten: "Hotel am Luisenplatz" in Potsdam

Hier sind Gäste keine Zimmernummern

In diesem schönen Haus ist Freundlichkeit Trumpf. Zwei bis vier Sterne leuchten in den Augen der Besucher.

Die Atmosphäre mutet französisch an: Sieben Straßen laufen auf den großen Platz zu, der eingerahmt ist von gründerzeitlichen Gebäuden. Der Blick auf das Brandenburger Tor gibt dem Ganzen ein stimmungsvolles Ambiente. Nein, wir befinden uns nicht in Berlin, sondern am Luisenplatz in Potsdam. Hier, wenige Meter entfernt vom "Grünen Gitter", dem Eingang zum Schlosspark Sanssouci, steht das Hotel.

Wie ganz Potsdam ist auch dieses Hotel geschichtsträchtig. Im Jahr 1726 schenkte König Friedrich Wilhelm I. dem Offizier Emanuel von Einsiedel ein Haus und erlaubte ihm, eine Herberge und Schankwirtschaft zu betreiben. Später war das Haus Apotheke und wurde als Wohnhaus genutzt, bis es 1997 restauriert und der Tradition folgend wieder als Hotel eröffnet wurde.

Der anspruchsvolle Gast wird sich besonders in den Palaiszimmern wohlfühlen. Die Möblierung zeigt italienischen Einfluss. Das Kopfende des Bettes ist holzvertäfelt, viel Mühe hat man sich mit den zweifarbigen, verspachtelten Wänden gegeben, durch eine Zierleiste voneinander abgesetzt. Natürlich hat auch die Neuzeit Einzug gehalten; ein Schreibtisch mit Internetanschluss, Bad mit Wanne und Duschbad sowie ein Safe sind vorhanden. Besonders schön: die kürzlich fertiggestellte Suite "Luise", die mit antikem Mobiliar ausgestattet ist und einen schönen Blick auf den Schlosspark bietet.

Freundlichkeit ist Trumpf in diesem Haus, das spürt der Gast sofort. Das spricht für gute Arbeit des jungen Hoteldirektors Stefan Lindemann. Der Mittdreißiger ist Einheimischer, er hat seine Ausbildung im Berliner Steigenberger Hotel begonnen. "Danach ging alles schnell, mit 26 Jahren war ich bereits Hoteldirektor im Ascot-Bristol", erzählt er nicht ohne Stolz. 2004 übernahm er die Leitung dieses Hotels, das sich im Besitz des Holländers Antonius Addring befindet. Da Lindemann selbst im Haus wohnt, ist er rund um die Uhr für den Gast da.

Interessant ist die Aufteilung der 53 Zimmer: 38 im Vier-Sterne-Bereich und 15 als Bed and Breakfast mit zwei Sternen - für den schmaleren Geldbeutel. "Wir gehören zu den wenigen privat geführten Hotels in der Stadt, bei uns sind die Gäste keine Zimmernummern", betont Lindemann, und die persönliche Art begeistert die Gäste. Ferner sieht er den Vorteil darin, "dass wir auf Standards verzichten, alles selber entscheiden und mehr Freiheiten haben, was von Vorteil für den Gast ist".

Wem nach Kaffee und Kuchen ist, der besucht das benachbarte "Wiener Cafe", und Appetit auf eine Mahlzeit kann man im Restaurant "Luisa" stillen, das im Haus verpachtet ist. Die mediterrane Küche wird von Meisterkoch Bernd Lenski geführt. Der Magdeburger arbeitete zuletzt zwei Jahre lang auf Mallorca, um sich inspirieren zu lassen. Seit März 2009 sorgt er für das leibliche Wohl der Hotelgäste und verwendet dabei kein Convenience Food.

Es gibt "Orientalische Spinatsuppe" oder "gratinierten Ziegenkäse im Zucchinimantel mit Kiwi-Basilikum-Sorbet". Beim Hauptgang überwiegen Fleischgerichte, aber auch der Fischfreund wird mit der Dorade und dem Lubina-Wolfsbarsch mit Artischockenherzen verwöhnt. Das alles zu moderaten Preisen.

Das Restaurant ist nicht sehr groß und schnörkellos in der Ausstattung, ohne jedoch dabei ungemütlich zu sein.

Ansprechend gestaltet sind auch der Salon des Hotels mit üppigen Blumensträußen und der Frühstücksraum. Das Buffet lässt keine Wünsche offen, und der Gast kann sich gut gestärkt auf "Schlössertour" begeben.

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